Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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7.3 Pyrmont Mendelssohns persönliche Bekanntschaft gemacht, ohne daß es ihm anfangs gelungen wäre, sich mit demselben zu befreunden. Er berichtet darüber an Lavater: „Ich habe Moses Mendelssohn kennen lernen, der klarste, heiterste Kopf, den ich beinahe auf einem menschlichen Rumpfe gesehen, stark ausgeprägt für sich. Ich aber habe, vielleicht eben vorbemeldeter Ursache wegen, wenig oder keine Puncte der Anhänglichkeit an ihn gefunden, halte ihn aber in sich für sehr glücklich/obgleich, kvie's mirscheint, künstlich auf einem ich weiß nicht wie, selbstgemachten Bollwerk." Roch im Jahre 1784 schreibt H. an Mendelssohn: „An Ihrem Jerusalem habe ich mit Geist und Herz viel Antheil genommen und Sie über die mancherlei Chicanen beklagt, die man hie und da dagegen erhoben." Herders inniger Anschluß an Friedrich Heinrich Jakobi, zu dem, als dem Ankläger seines Herzensfreundes Lessing, Mendelssohn eine schroffe Stellung einnahm und der bald darauf im Jahre 1786 erfolgte TodMendelssohn's lösten das Berhältniß zwischen dem Würdenträger der christlichen Kirche und dem jüdischen Weltweisen. Hier sei es mir gestattet abzubrechen. Wie groß die Verdienste Herder's um die Menschheit und das Judenthum find, das haben wir aus diesem flüchtigen Ueberblick nur andeutungsweise erfahren können; man muß Herder's Schriften lesen und die immerfort durchbrechenden Empfindungen unmittelbar Mitempfinden, um die edle Ruhe und Tiefe seines Gemüthes vollständig kennen zu lernen; man muß beobachten, wie er alle seine Bestrebungen auf dem Felde der Religion, Poesie und Menschheitsgeschichte im Dienste der Humanität unternimmt und in dieselbe einmünden läßt, um in ihr einen der edelsten Weisen aller Zeiten lieben zu lernen. „Durch alle seine Werke," sagt Jean Paul, „ließ Herder reinen Himmelsäther wehen und duldete keinen unheiligen Laut in ihnen, wie in heiligen Tempeln; er wohnte gleichsam als ein geistiger Orientale immer unter dem offenenHimmel und schlummerte nur aufHöhen." Herder