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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 70

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 70 (sequence 90)
Language
German
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70 durch sie ehrlos wurden, der Ehre wiederum fähig und werth zu machen. Wenn man aber glaubte, daß der Restaurations- und Emancipationsprozeß bei den Juden zu beginnen habe, so hätte man nach H.'s Ansicht das unrichtige Ende erfaßt. „Die politische Bekehrung," das sind seine eigenen Worte, „fängt vom Unrechten Ende an, wenn sie den Juden trifft, nicht den Christen; die Verbesserung muß bei ehrlosen Christen angefangen werden, die den Ebräer mißbrauchen." Als nicht genug gewürdigte Eigenschaften der Juden hebt H. unter Anderem hervor ihr reines Ehrgefühl, ihre Consequenz, ihren Scharfblick, den nur ein stumpfes Auge nicht wahrnimmt, und in ganz besonderem Grade ihre leidenschaftslose, man möchte sagen gesetzliche Eroßmuth und Wohlthätigkeit — „denn nicht alle Juden," fügt H. hinzu, „sind Shylocks." Solche eminente Eigenschaften dürfen seiner Ansicht nach nicht brach liegen, sondern müssen zum Wohle der Menschheit verwerthet werden. H. verbindet somit den humanistischen mit dem staatsökonomischen Gesichtspuncte, den noch immer viele Regierungen und Gesetzgebungen unserer Zeit zu ihrem eigenen Nachtheile verkennen. „Welche Aussicht," ruft er aus, „wäre es, die Juden, ein so scharfsinniges Volk, der Cultur der Wissenschaften, dem Wohl des Staates, der sie schützt, und anderen der Menschheit allgemein nützlichen Zwecken treu ergeben, in ihren Beschäftigungen und in ihrer Denkart rein humanisirt zu sehen!" Doch um dahin zu gelangen, legte H. dem Staate die Pflicht auf, die Juden aus ihrer Jsolirtheit herauszureißen und ihnen die Möglichkeit zu einer den staatlichen Grundsätzen gemäßen Erziehung zu gewähren. Juden- und Christenkinder sollten, wenn es nach ihm ginge, nach einerlei Grundsätzen der Moral und Wissenschaft erzogen werden, wobei Jeder die Religionsgebräuche nach seiner Weise übe. Dadurch lernen sie einander kennen und achten, vergessen Vorurrheile, die sie sonst schieden. Wie es Pfleglingen abgesonderter Institute ergeht, daß sie

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