Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 50)
- Language
- German
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Blutbeschuldigungen der Juden. Von G. Wolf. Es ist ein bekanntes Gesetz der Physik, daß Körper, die von andern gedrückt werden, den Druck weiter fortpflanzen. Dieses Gesetz gilt auch in psychischer Beziehung, und bewährt es sich oft, daß Personen, die von ihrenVorgesetzten gewissermaßen en Canaille behandelt werden, ihren Untergebenen gegenüber den Meister zu überbieten suchen. Völker und Nationen suchen ebenfalls Vorwürfe, die ihnen gemacht werden und wurden, andern, nnd oft in verstärktem Maße, zuzuschleudern. Wir sehen ähnliche Erscheinungen beim Zudenthume und ihrer Tochterreligion, dem Christenthume. Es ist bekannt, welchen Werth das mosaische Gesetz auf das einfach gegebene Wort legt: „Er soll sein Wort nicht entweihen" (4. B. M. 30, 3); um so mehr hebt es die Heiligkeit des Eides hervor, und der Talmud erörtert die Eidesangelegenheiten in einem eigenen Tractate. Da wird der Grundsatz aufgestellt: Wer sagt ja, ja, oder nein, nein, der hat geschworen und ist verpflichtet darnach zu handeln. Bei den Griechen war es jedoch Sitte, beim Schwören heilige Gegenstände zu berühren. *) Diese heidnische Sitte schlich sich im4.Jahrhundert bei denChristen ein (S.Lassaulx,über denEid bei den Griechen. Würzburg 1844 und die eben anonym erschienene *) Damit im Zusammenhänge steht wohl auch die Stelle König l. 8. 31.