Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 202)
- Language
- German
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178 »Detter!« schrie Veilchen, und eine kleine Faust spielte hart an den Augen Joffess, daß er sie erschrocken schließen mußte. Aber das Kind mit seinen Zügen, die so sehr an seine Schwester Gudule gemahnten, mußte es dem Manne angethan haben. »Ephraim!« rief er lustig, seine Hände wie abwehrend gegen Veilchen ausstreckend, »ich geb' Dir einen guten Rath. Nimm einmal das kleine Klippele anss Dorf mit — vielleicht brauchen sie dort einen jungen Wolf.« Dann steckte er das Geld ein. »Nun, Ephraim,« sagte er, »Gott wird Dir ferner Glück und Segen geben. Mir aber wirst Du es nicht verdenken, wenn ich das Geld nicht länger bei Dir lasse, — ich brauch's und in Haber, das weißt Du, läßt sich jetzt ein gutes Geschäft machen. Von Dir aber gefällt es mir außerordentlich, daß Du so ein guter Zahler geworden bist. Nur nicht zu viel Credit, ist alleweil meine Maxim', das bringt einen um, und frißt sich durch ein Geschäft, wie eine Ratte durch eine Getreidescheuer.« Mitten auf dieses keimende nnd sprossende Leben warf nur die Gestalt in dem fernen Gefängnisse ihren anhaltend dunklen Schatten. Es war eine Traurigkeit in den Seelen dieser beiden Kinder, die vor keinem Sonnenblicke, wie freundlich er auch ihre Gegenwart beleuchten mochte, weichen wollte. Wenn Ephraim von seinen Geschäftsreisen matt und zerschlagen in sein kleines Hauswesen eintrat, dem Veilchen mit einer Anstelligkeit verstand, als wäre sie drin, wie die Leute meinten, alt geworden, da begrüßte ihn kein Lächeln, so wenig er eines aus den Lippen hatte. Ephraim erzählte wohl der Schwester wo er gewesen und wie es ihm ergangen, aber selbst durch das Unbedeutendste klang jener Ton unaussprechlicher Traurigkeit, wie sie so schwerheimgesuchten Gemüthern innewohnt. Mittlerweile war auch mit Veilchen eine gewaltige Veränderung vorgegangen. Natur baut und entwickelt sich mitten unter den