Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 195)
- Language
- German
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171 »Zhr müßt mich frei reden lassen, Kinder," meinte sie mit demselben seltsamen Lächeln auf den Lippen, »wenn ich mein Geschichtchen gut erzählen soll —« »Hort, Kinder,« fuhr sic nach einer Weile fort, »jeder Mensche und sei er der schlechteste, wenn er aus Erden nur ein einziges Gutes gethan hat, so genießt er droben im siebenten Himmel seinen »S'chus«, das heißt, das Gute, was er auf dieser Welt gethan hat, wird ihm von Gott dem Allmächtigen als besonderes Verdienst angerechnet.« Gudule hielt inne. Plötzlich nahm ihr Gesicht einen gegen früher durchaus veränderten Ausdruck an. Ihr Athen« ging mühsam, aber ihre braunen Augen leuchteten in Einem fort. Mit kaum vernehmbaren Lauten fuhr sie fort: »AlsJeruschulaim die heilige Stadt zerstört worden ist, da sind sie alle aus ihren Gräbern aufgestanden ... die heiligen Aelterväter Abraham, Jsak und Zacob . . und auch Moses und Aaron sein Bruder . . und David der König .. und alle haben sich vor Gottes Thron niedergeworfm und haben geweint und gebeten: »Allmächtiger! Gedenkst Du denn nicht mehr, was wir gethan haben . . Willst Du denn unsere Kinder . . dein Volk. . bis auf den unmündigen Säugling vernichten und zermalmeln . . Denk doch unser!« Aber der Allmächtige war unerbittlich. Da ist Rahel, die Aelterinutter, gekominen . . Wie Gott sie erblickt hat, da hat er sein Angesicht verhüllt und hat geweint. »Geh' fort,« sagte er, »ich kann Dich «ttcht erhören.« . . Sie aber hat gerufen: »Denkst Du nicht mehr der Thränen, die ich geweint habe.. bevor ich meinen Joseph und Beujainin geboren habe. . . Und denkst Du nicht «nehr, wie man mich draußen an der Schwelle des gelobten Landes begraben hat . . und nun soll ich mit diesen meinen Augen es ansehen, wie meine Kinder erschlagen . . oder in die Gefangenschaft geführt werden?« ... Da hat Gott gerufen: »Ilm deines S'chus willen >vill ich «nich deiner Kinder wieder erbarmen . . . sie sollen wieder «nein Volk sein.« . . .