Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 191)
- Language
- German
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167 Hof sowohl, als auf den Höhen der bevorzugten Menschheit zur Entwicklung gelangen. Hatte sie den Rath jenes wohlmeinende» Brieses nicht in den Wind gesäet? Was wollte sie klagen und jammern, da nun die Saat aufgegangcn war? Es lebte eine wunderbare, kaum erklärliche Scheu in ihr, ihrem Manne die Leidenschaft vorzuhalten, der er von Tag zu Tag , ja von Stunde zu Stunde mehr und mehr verfiel. Eher wäre sie gestorben, als daß fie das Wort »Spieler« über ihre Lippen gebracht hätte. Und dann! — Sah es ihr Anschel nicht an den Augen an, was sie in der Seele litt? Bon denselben Augen nun behauptete Anschel, fie trieben ihn immer weiter und weiter in sein Unglück. »Was siehst Du mich so an, Gudule?« konnte er oft bei der geringfügigsten Gelegenheit fragen. Manchmal, wenn er nach seiner Behauptung eine »besonders gute Woche« gehabt, brachte er für Gudule und die Kinder Kostbarkeiten mit, die weit den Werth eines gewöhnlichen Geschenkes überstiegen. Gudule niachte von diesen Gegenständen weder für sich noch für die Kinder irgend einen Gebrauch, sie verwahrte sie im Kasten und gestattete sich nie ihren Anblick, besonders .. als fie bemerkt hatte, daß Anschel unter irgend einem Borwande all dieses glänzende Geschmeide wieder an sich nahm, um es mit anderem zu vertauschen — oder auch uicht mehr zurückzuerstatten. »Gudule!« sagte er einmal, als er in besonders aufgeräumter Stimmung sich befand, »warum läßt Du alleweile den Schlüssel im Kasten stecken, wo Du so theure Sachen aufhebst?« Und wieder schlug Gudule ihre unergründlich braunen Augen zu ihm auf. »Du siehst mich schon wieder so .. an!« fuhr er mit einem Male heftig ans. »Der Kasten ist sicher,« sagte Gudule fast lächelnd. »Warum soll ich ihn versperren?«