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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. Seite 126

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 126 (sequence 150)
Language
German
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126 liche Beglaubigung finden. Wie könnte von einer Wissenschaft des Judenthums, von einer jüdischen Literatur in höherem Sinne die Rede sein, sollte sie nicht mit selbstständiger Untersuchung verbunden werden dürfen? »Rur der Geist ist es im Menschen, der Hauch des Allmächtigen, der Einsicht bringt/' (Hiob 62, 8.) Alle Bestrebungen, Aufzeichnungen und Thatsachen bedürfen der geistigen Erfassung und Aufhellung, um erst das rechte Verständniß zu gewähren! Gestatten Sie mir daher, ehe ich zur Betrachtung der einzelnen literarischen Erzeugnisse im verwichenen Zahre schreite, über jenes nicht preiszugebende Princip der jüdischen Wissenschaft einige Worte vorausgehen zu lassen. Doch höre ich Sie einwenden, daß dem doch nicht ganz so sein könne. »Das Judenthum kenne keine Dogmen, sagen Sie; ist nun nicht aber z. B. der Glaube an die Authenticität der Tradition und aller ihrer einzelnen Bestimmungen ein Dogma? Kann und darf also ein jüdischer Forscher diesen Gegenstand, insbesondere die Ermittelung des Ursprungs mancher einzelnen Bestandtheile derTradition, vor sein Forum ziehen? - — Hieraus ist abkr zu erwiedern, daß man erstens die Begriffe verwirrt, wenn man die Verpflichtung zur Beobachtung der tradirten Satzungen mit der Untersuchung über den Ursprung und das in’8 Lebentreten der einzelnen Bestimmungen zusammenwirst, und daß man sich zweitens von dem, was Dogma zu nennen ist, keine klare Anschauung macht. Die Anerkennung der Tradition an sich ist weit mehr als ein Dogma. Unter letzterem versteht man einen zur Ausbauung und Vervollständigung des Religionssystems erst geschaffenen, dann in Worten formulirten und zur unabänderlichen Richtschnur hingestellten Lehrsatz. Die Tradition oder die sogenannte mündliche Lehre im Judenthume geht aber allen angeblichen dogmatischen Festsetzungen voraus; sie ist eine große geschichtliche Thatsachc, die mit dem Wesen und der Erscheinung des Judenthums in der Wirklichkeit so inniglich

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