Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2609281-2609296--4808-2612157- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
82 das ist natürlich! Der Einzellehrcr hat zur Erkennung allgemeiner Bedürfnisse einen zu engen, einseitigen Wirkungskreis, der Massenlehrer geräth leicht in ein summarisches, schematisches Verfahren, was ebenso der Fortbewegung hinderlich ist. Nur die Gruppenschule, in ihrer vermittelnden Sendung wird Extreme meiden und dem wahren Fortschritt huldigen können. Und dennoch kommen die Privatinstitute und namentlich die jüdischen, bei uns nicht recht fort. Auch bei uns ist zwar der Mittelstand hinreichend vertreten, und diesem der erziehende Unterricht der Gruppenschule Bedürfniß. Und gar aus dem jüdischen Mittelstände, in seiner Stellung zwischen zwei Schichten, die der Abnormität angehören, und in welcher man leicht an Abnormitäten Gefallen hat, dem jüdischen Mittelstände, welcher — doch genug! Auch Pädagogen müssen Beichtgeheimnisse, und wären es auch öffentliche Geheimnisse, bewahren. Welches Gist zerstört nun den gesunden Gruppenunterricht? Zuerst sind es einige gesetzliche Bestimmungen, die aus alter Zeit sich herüber verschleppt haben, und die zu fegen und wegzuräumen man noch keine Zeit gefunden. Zn früherer Zeit aber, als noch jede Selbständigkeit ein Gräuel, jede Reform ein Staatsverbrechen dünkte, glaubte man Privatinstitute mit einem besonderen Mißtrauen beehren zu müssen. Auch bildete man sich ein, daß sie mit den Schovßkindern, den öffentlichen Schulen, rivalisiren und ihnen Concurrenz machen, obgleich ihre Wirkungskreise doch weit auseinander liegen. Man suchte daher den Stiessprößlingen aus verschiedene Weise zu imponiren, uns bald durch Jgnorirung, bald durch offenbare Beargwöhnung ihre Wenigkeit anschaulich zu machen. Aus der einen Seite läßt man sie so gut wie ganz ohne Aufsicht, damit sie zu Tode geschwiegen werden, aus der andern Seite beengt man sie durch Methodendecrete, octroyirte Lehrbücher und Schablonen, damit sie's ja nicht besser als die Massenschule machten. Auf der