Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 88)
- Language
- German
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64 schehen, und dadurch nahm mancher allgemeine Uebelstand einen ganz specifisch-jüdischen Character an. Die Sonderstellung, deren Druck wir Jahrhunderte lang erfahren, hat uns so lüstern nach Anschluß gemacht, ein so brennendes Verlangen nach Aufgehen in Allgemeinheit und Majorität angezündet, daß wir uns ordentlich geehrt fühlten , keinen aparten jüdischen Blitz- und Hagelschlag zu haben, und daß es uns vergönnt war, an etwas Allgemeinem, und seien es auch Landesplagen,theilnehmen zu können. Es erinnert uns dies an eine Anecdote, die sich in Prag zur Zeit als die sabbathäische Irrlehre unter den dortigen Juden graffirte, zugetragen haben soll: Ein Männlein, das durchaus als Talmudist anerkannt sein wollte, fand sich nämlich in seinem Innern verletzt, als die Polizei, die eines Tages einen Hausarrest über alle jüdischen Theologen Prags verhängt hatte, ihn, den Harmlosen — zu arretiren unterließ. Das Sonderbarste an der Sache aber ist, daß manche mittlerweile so viel Behagen in dem Gefängnisse gefunden haben, daß sie es auch jetzt noch nicht »er* wollen, wo es längst keine Ehre mehr bringt, — eingesperrt zu sein. Man sieht also, daß es unsere Schuld nicht ist, wenn wir etwas Gemeinnütziges sagen, wo wir es auch nur darauf anlegten, jüdische Zustände zu erörtern. Vielmehr haben wir das Bewußtsein. Erfahrungen zum Ausdrucke zu bringen, die wir in dem allerengsten Kreise unseres Wirkens gesammelt haben. II. Gift ist im Kessel, o Gottesmann (2 6. K. 4, 40). Sollte es nicht ein tief ernstliches Besinnen erwecken, daß so häufig die Ersten in unfern Schulen die Letzten im Leben sind? daß gerade die guten Schreiber, Leser und Paradeprüstinge so selten im Leben das Zeugnis bewähren, das ihnen die Schule vordem ertheilt hatte? Woher kommt es, daß Nationen, die ein in unserem Sinne 4