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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. Seite 57

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 57 (sequence 81)
Language
German
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57 seit zwei Tagen damit trage und gegen Niemand mein Herz darüber recht ausschütten und losmachen kann, an Sie, liebster Mendelssohn, zu schreiben, an Sie, dessen Freund er so sehr war und den ich mir in meinen ersten Jahren so gar und oft mit ihm zusammen dachte. Die Vorsehung hat auch hiebei, wie bei allem, ihre weisen, guten Zwecke und Sorgen: er ist bald und früher des unvollkommenen Wirrwarrs losgeworden, in dem wir uns hier schleppen, um nur die ersten Blicke der Wahrheit und festen Scelensreiheit thun zu können. Ihnen aber brauche ich's gewiß nicht zu sagen, was Deutschland, was die Wissenschaften, was die edle männliche Bestrebung in den Wissenschaften an ihm verloren und lange nicht wiederfinden werden. Mir ist's noch immer, so entfernt wir von einander arbeiteten und dachten, als ob Wüste, trübe Wüste um mich wäre. Lassen Sie sich, lieber Mendelssohn, erbitten, gewissermaßen seinen Platz in mir auszufüllen und mir etwas näher zu sein, als Sie es sind. Eine Reihe von Zufällen und Umständen, an denen ich zum Theil, doch nicht ganz Schuld bin, hat Sie, wie ich lange wenigstens gedacht habe, entfernter gegen mich gemacht, als idj’8 wünschte. Der unglückliche Zeitpunkt, in dem wir uns zu Pyrmont einander sahen, und so wenig genossen, mit dem was durch Nicolai darauf folgte, hat dazu beigetragen, und es ist mir oft ein schmerzliches Andenken gewesen, daß sich das Alles so schicken, so zusammenschicken mußte. Ich begehre nicht Ihre Freundschaft, die sich nicht antragen läßt, die ich auch meiner Gemüthsartigkeit nach Niemanden in der Welt je »»getragen habe, aber Ihre Gutmüthigkeit, Ihr unverhohlenes Wohlwollen in Sachen, wo wir doch einerlei Zweck im großen Ganzen, wenngleich in so verschiedenen Sphären zu befördern haben, dies wünsche, dies erbitte ich mir, da ich Sie so innig und aufrichtig hvchschätze und liebe, auch mit jedem Jahre des Lebens lieber gewinne. — Leben Sie wohl, liebster Mendelssohn, und schonen Sie sich, so viel an Ihnen ist, unserer Erde. Da Lessing hin ist, hat Deutschland Sie,

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