Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Me Viele, welche die Sehnsucht nach Zerusalem mit ihrer oft zahlreichen Familie hingezogen hat, würden — enttäuscht wie sie bald werden — gerne zurückkehren! Auf die Frage: »Und warum thun sie es nicht?« können wir antworten: weil sie bei ihren Freunden in Europa wohl das Reisegeld erbetteln konnten, in Jerusalem aber ihnen Niemand ein Reisegeld zur Rückkehr zu geben geneigt oder im Stande ist. Neben diesem Umstande hält sie aber auch noch das Schamgefühl zurück. Wer jetzt nach Jerusalem zieht, muß mit sich einig sein, daß er den bittersten Entbehrungen entgegengeht, denen er, bei bestem Willen vielleicht zu arbeiten, sich nicht entziehen kann, weil kein Arbeitgeber da ist. Es gibt Naturen, welchen ein Märtyrerthum Bedürsniß ist und die wollen und können wir nicht abhalten nach Jerusalem auszuwandem. Sie aber dürfen dann nicht Chorus mit denen machen, die übers Meer herüber verzweiflungsvoll um Brod schreien. Wir können nur warnen! Zu der materiellen Noch gesellen sich aber in letzter Zeit noch zwei Kalamitäten; Die deutschen Juden haben vor etwa fünf Jahren begonnen eine große Synagoge in Jerusalem zu bauen. Freiherr von Rothschild legte im Jahre 1856 den Grundstein, Dr. L. A. Frankl sah den Unterbau vollendet. Allmälig gingen aber den Erbauern die Mittel aus und es wurde ein Sendbote nach Europa geschickt, um Geld zum Weiterbau zu sammeln. Se. Majestät der König von Preußen bewilligte eine Sammlung in seinen Staaten und der Freiherr von Manteusel stellte sich der Erste auf den Sammelbogen mit einem Beitrage von 150 Thalem. Gleich huldvoll erwies sich Se. Majestät der Kaiser Franz Joses, indem er das ihm vom Sendboten aus Jerusalem unterchänigst überreichte Gesuch in der österreichischen Monarchie zu dem gedachten Zwecke sammeln zu dürfen, gnadenreich bewilligte.