Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 39)
- Language
- German
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15 eine die ganze Menschheit betreffende Angelegenheit und sprechen in diesem Sinne. Besonders schlagend finden wir die Anssprüche des Königsberger Professors Hirsch und des berühmten Dahlmann. Hirsch sagt: »Die beiden ersten jetzt lebenden Physiologen, Zohann Müller und Walentin, sind Katholik und Jude; es könnte aber ein Preis darauf gesetzt werden, in diesen Schriften auch nur eine Seite auszufiuden, die vom Standpunct ihrer Confession aus geschrieben wurde, die der Protestant um dessentwillen zurückweisen müßte.« Dahlmann berichtet, daß ihm in dem Universitätsstatute nichts aufgestoßen sei, was der Zulassung der Juden zum Lehramte in den im Gesetze vom 23. Juli 1847 bezeichneten Fächern entgegenstünde. Er hält die Gewährung für wünschenswerth, namentlich im Interesse der freien Bewegung der Wissenschaft, und weil es billig sei, keiner menschlichen Anlage den Weg zur Ausbildung und zu ihrem Lohne zu erschweren; die bedeutenden Fähigkeiten, welche die jüdische Nation aber insbesonders in den in Frage stehenden Fächern entwickelt, sind unb-zweifelt. Von jüdischer Seite selbst finden wir die nämliche Frage von dem Veteranen der Emancipationskämpfer Dr. Riesser (int Jänner- Heft des preußischen Jahrbuches) beleuchtet. Er stellt den Grundsatz auf, daß Schule und Leben Hand in Hand gehen, und daß es die höchste Jnconsequenz sei, einem Andersglaubenden die beziehende Einwirkung auf die Jugend zu versagen, die ihm als Volksvertreter auf das ganze Volk verstattet sei. Auf dem Gebiete der Thatsachen treten diese Ansichten langsam, aber denn doch siegend hervor. In Königsberg hat der Oberlehrer Saalschütz die unbedingte Lehrfähigkeit für alle Classen des Gymnasiums erlangt, und die Königsberger Facultät hat sich bei dieser Gelegenheit abermals auf das wohlwollendste und freisinnigste benommen. Wegen Anstellungen von Juden als Richter entschied der neue Justizminister von Bernuth gegen die Ansicht von Simons, in-