Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 38)
- Language
- German
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14 In Preußen ist im verflossenen Jahre mancher Schritt nach vorwärts gemacht worden, wenn auch nicht in der Art und Weise, wie man es von einem Staate erwarten kann, der es liebt, sich das Banner der Civilisation vortragen zu lassen. Noch vor dem Regierungsantritte des jetzigen Königs hat das Staatsministerium auf dessen als Prinz-Regenten erlassenen Befehl eine Denkschrift über die Gleichberechtigung der Juden herausgegeben und in derselben den Juden die Beschickung der Kreis-und Provinziallandtage, so wie in Folge der Amtsfähigkeit die Zulassung zum Dorfschulzcnamte und die Ausübung der mit dem Gutsbesitze verbundenen obrigkeitlichen Gewalt zugcstanden. Zur weireren Beleuchtung dieses Gegenstandes trug eine umfassende Schrift wesentlich bei, nämlich: »Die Judenfrage in ihrer wahren Bedeutung für Preußen, von Dr. Kalisch, Leipzig 1860, Veit <L Comp. «Dem Verfasser standen ämtliche Aktenstücke zu Gebote, die ihm von dem verstorbenen Unterrichtsminister von Ladenburg übergeben worden waren. Sie betreffen vorzüglich die Gutachten der Vertreter sämmtlicher preußischer Universitäten über die Promotion jüdischer Candidaten und über die Zulassung der Juden zu akademischen Lehrämtern. Während schon der große Kurfürst eine Universität aller Völker, aller Wissenschaften und Künste gründen wollte, woselbst auch »ausgezeichnete Hebräer ihren Sitz haben sollten«, gingen im Jahre 1847 die Voten vieler Vertreter preußischer Universitäten über die Zulassung der Juden zu medicinischen, linguistischen und anderen von einer bestimmten Religionsanschauung ganz unabhängigen Professuren von der befangensten Aussicht aus. Allein dagegen ließen sich die ausgezeichnetsten Männer der Wissenschaft und zugleich der Gesinnung von den Principien der weitesten Humanität leiten. Die Breslauer evangelische Facultät, die philosophischen Facultäten zu Breslau und Bonn, Männer wie Humboldt, Heffter, Göppert, Welcker, Dahlmann, Ritschel, Plauk u. a. erblicken in der Sache der Juden