Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 30)
- Language
- German
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6 Nischen Comitö's: »Ich bin ein Pole und muß als solcher die Emancipation der Juden verlangen, damit sie dieses Land als das ihrige und uns als ihre Brüder lieben, das ist, damit sie durch die Gleichberechtigung Polen werden. Sie werden aber so lange nicht Polen werden, so lange sie nicht gleiche Rechte mit uns haben. Ich erkläre daher, daß, was ich für mich fordere, ich auch für die Juden fordern werde.« In ähnlichem Sinne sprach Graf Alexander Borkowskh in der Lemberger Synagoge, woselbst eine Wahlversammlung abgehalten wurde, welcher viele Christen beiwohnten. Alle diese Aeußerungen fanden den lebhaftesten Anklang, ja wurden mit enthusiastischem Beifalle ausgenommen. Zu Landtagsdeputirten am galizischen Landtage wurden gewählt: in Lemberg Marcus Dubs, in Krakau Dr. Sammelson, in Brody Meyer Kallir, endlich zum Landtage für die Bukowina Dr. Fechner in Czernowiß. Dieselben übergaben dem Landmarschall einen Antrag wegen Gleichberechtigung, welcher aber wegen schneller Vertagung des Landtages mit vielen andern für die künftige Sitzung zurückbehalten wurde. Nicht in gleicher Weise gestalteten sich die Dinge in Ungarn- Hier bewirkte das starre Festhalten an den Gesetzen von 1848, daß Juden wieder, wie in der schönen alten Zeit, auf Befehl des Stuhlrichters an die Prügelbank geschnallt wurden, und daß sie vom activen und passiven Wahlrechte vorerst ausgeschlossen blieben, weil die damaligen Machthaber — die doch so viel gewagt — es nicht über sich genommen, die Emancipation der Juden zu decretiren. Freilich fiel der Schmerzensschrei der geprügelten Juden in Ungarn als ein greller Mißton in jenen so gut in Noten gesetzten Schmerzensschrei der ungarischen Nation, welcher an der Themse und an der Seine ein Echo finden sollte. Das mußten die Führer der ungarischen Emancipation zunächst inne werden, und es als höchst verfehlt betrachten, bei solchem rohen Gebaren im eigenen Lande die Sympathien civilisirter Nationen erwecken zu wollen.