Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 301)
- Language
- German
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275 Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe. Du hast sie verdorben, indem Du sie zu plötzlich und unvorbereitet auf den Weg des Eitlen und Nichtigen geführt hast... und ich, Jacob Löw ... ich war ein Weib! Mir hat es nicht recht geschienen, daß unser Blümele einen Mann bekommen soll, über den man lacht ... und so habe ich geschwiegen ... und verschwiegen, was ich nicht hätte sehen sollen! Mein Herz ist auch daran gebrochen . .. Was willst Du aber von dem Kinde?... Verzeihe ihr, Jacob Löw, verzeih' ihr.« »Ich kann nicht, Esther!« rief Jacob Löw weich, aber trotzdem unbeugsam. Plötzlich sagte Esther schwach: »Jacob Löw! sag mir jetzt, was zu sagen ist... es dauert nicht mehr lange. . . Laß mir aber die frommen Weiber nicht herein! ... Ich will nichts Fremdes um mich.. .« Jacob Löw schauerte aus, er begann das: »Höre o Israel! Der Gott, unser Gott ist ein einziger Gott!« was Esther mit flüsternden Lippen nachsprach. Als die frommen Weiber, die in der angrenzenden Stube diesen Ausruf vernommen hatten, darauf hereintraten, legte sich soeben die Ruhe des ausgerungenen Erdenkampfes über Esther's Antlitz! — Nichts Fremdes! Das war es ja, woran Jacob Löw's seltsam geartete Natur von jeher gekrankt hatte! Nichts Fremdes! nichts was dem Herzen gleichgiltig und entfallen, nichts, was man mit Geld und guten Worten ablohnen und abkaufen kann... und nun hatte es Esther selbst in ihrer letzten Lebenssecunde ausgesprochen! Sie wollte kein Fremdes um sich! Was jedem Andern, von solchen Lippen und zu solcher Stunde gesprochen, wahrscheinlich als ein Ruf zur Einkehr in sich geklungen hätte, gerade das bestärkte ihn und hielt ihn 18 *