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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1860-01-01 · Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860) · p. Seite 249

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 249 (sequence 275)
Language
German
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249 reden kam, die fernab von deren traurigem Geschicke lagen. That er es doch zuweilen, so brach er oft mitten in seinen Klagen ab, und seine Augen suchten dann nach etwas; war Blümele zugegen, so blieben sie an ihr haften und um seine Lippen machte sich dann ein so behaglich sonniges Lächeln bemerkbar, wie es dort seit langer Zeit nicht gesehen worden war. Nie kam er von einer seiner Geschäftsreisen zurück, ohne daß er für Blümele irgend einen neuen Mädchenputz mitbrachte. Wenn ihm Esther zuweilen Vorwürfe machte, er »verderbe« dadurch das Mädchen und mache es eitel, konnte er mit einem seltsam befriedigten Lächeln ihr erwiedern: »Esther, es wird ihr nicht schaden, wenn sie dabei nur fromm bleibt.« Und so fragte er auch jedesmal, bevor er das von der Reise heimgebrachte Geschenk Blümele einhändigte: »Blümele, bist Du in dieser Woche auch recht fromm gewesen?« worauf er, ohne die Antwort abzuwarten, ihr mit einer unerklärlichen Hast das glitzernde oder flatternde Angebinde zuschob. Was ging in Jacob Löw's Gemütbe vor? War darin wirklich eine neue Lebensknospe aufgebrochen? Esther schüttelte den Kopf oft bedenklich; sie begriff das verschwenderische Gebahren ihres Mannes gegen Blümele nur in dämmerhaften Umrissen. Daß er seine Freudigkeit nichr zu bemeistern vermochte, weil er des Mädchens erst jetzt sich sicher glaubte, das sah sie ein; in welchem Zusammenhänge stand dies aber mit der Frömmigkeit, auf die er stets einen so eindringlichen Nachdruck legte? Blümele selbst fragte einmal ganz ernst die Mutter: »Mutter, was will der Vater stets mit seinem: Sei fromm, sei fromm, Blümele! Bin ich's bemt nicht? Oder thue ich zuweilen etwas, was nicht recht ist?«

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