Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 273)
- Language
- German
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247 chen, wo ihm, der die Sachlage mit seinem Gemüthe übersah, nur ein erzwungener Willkomm entgegentreten konnte. So waren Jahre vergangen, ohne daß das Kind mehr als flüchtig ihm unter die Augen gekommen wäre, ja es war ihm beinahe fremd geworden. »Ist das Ihre Tochter?« fragte er stockend, während seine erstaunten Blicke an der lieblichen Gestalt eines siebzehnjährigen Mädchens haften blieben. Jacob Löw's Frau erbleichte, sie faßte krampfhaft nach der Hand des Doctors. »Hören Sie vielleicht auch ihren kurzen Athem?« sprach sie leise. Den Arzt übermannte eine tiefe Rührung, er mußte sich erheben und trat zu Blümele hin, der ^er lange in die Augen schaute. »Ich bin nicht krank, Herr Doctor!« rief Blümele endlich lachend. »Nein! so wahr es einen Gott gibt, Sie sind nicht krank!« rief der Arzt, »und wenn menschliches Wissen die Anmaßung haben darf, etwas Vorhersagen zu wollen, so sage ich nur das Eine: Du bist gesund, liebes Mädchen, gesund, wie es Eine nur sein kann, und wirst auch gesund bleiben.« »Schwören Sie, Herr Doctor!« rief dazwischen Jacob Löw in einem Tone, aus dem der Arzt ebenso gut wie die tiefste Erschütterung, auch einen gewissen Hohn zu vernehmen glaubte. »Ein Arzt kann nicht schwören!« sagte der Doctor ernst; »aber er versichert, daß, so weit seine Kunst vorauösetzen darf, Ihre Tochter . . . dem Geschicke Ihrer andern Kinder nicht anheimfallen wird.«