Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 272)
- Language
- German
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246 »Und wenn auch sie . . . den kurzen Athem bekommt, Esther? auch sie? Was thnst Du dann?« »Ich rechne nicht, wie Jacob Löw . . .« schloß sie gewöhnlich eine derartige Unterredung, und oft saß ihr dabei ein schmerzliches Lächeln auf den Lippen. »Im Gegentheile, ich rechne darauf, daß uns unser Blümele gesund und stark bleibt- Das einzige Blümele wird uns doch Gott lassen? . . .« Und Esther hatte Recht. Das Kind wuchs heran und gedieh wie eine frische Waldpflanze. Aus den ersten Blick wurde man sogleich gewahr, daß Blümele von einen: ganz anderen Schlage sei, als ihre so frühe geknickten Brüder. Ihre Wangen leuchteten nicht in jenem trügerischen Roth, das bei jenen als Ausfluß vollblütiger Gesundheit gegolten hatte, und ihren Augen fehlte das verzehrende Feuer, das bei den armen Knaben nur so lange glühte, als der in ihrem Innern lohende Brand sich nicht selbst verzehrt hatte. Das Kind entwickelte sich ganz regelmäßig, fast unmerklich unter den Augen ihrer Eltern, die noch immer ihre Blicke nach rückwärts zu den Gräbern ihrer Knaben gerichtet hielten. Eines Tages war der von uns noch nicht vergessene Doctor Prager auf Besuch gekommen; denn seit dem Tode des letzten Knaben waltete zwischen ihm und den Eheleuten eine Art gegenseitiger Gespanntheit, wie sie in solchen Fällen sich gewöhnlich geltend macht. Jacob Löw namentlich empfand beim Anblicke des Arztes jedesmal etwas wie jäh aufsteigenden Grimm; nicht daß er ihm etwa die Schuld an dem schweren Verhängnisse aufbürdete. . . aber gemahnte er ihn nicht stets an die, die er verloren, an die mit ihnen hinweggegangenen Hoffnungen, an Alles, was das Licht seines künftigen und überirdischen Lebens gebildet hatte? Anderseits war der Arzt zu fein fühlend, um öfters da einzuspre-