Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 270)
- Language
- German
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244 Ler des Volkes, von dem allein es gebetet wird; in ihm liegt die Bürgschaft seiner eigenen Fortdauer. Kann ein Volk untergehen und in das Nichts zerstäuben — so lange ein Kind seiner Eltern gedenkt? Welche Stürme, welche Fäulniß und Verderbniß müßten vorangegangen sein, welche Mächte müßten an dem Baue eines Volkes genagt und gerüttelt haben, der auf dem Felsengrunde der »Familie« ruht? Es mag seltsam klingen. Mitten aus dem Taumel der wüstesten Zerstreuung hat dieses Gebet der Erinnerung manches verwilderte Gemüth aufgeschreckt, daß es sich besann, und wenigstens für kurze Zeit im Andenken an die tobten Eltern sich gleichsam heiligte. Solch ein Gemüth überkommt es dann mit Schauern, wenn es die Wege überschaut, die es bisher gegangen, und sie mit denen vergleicht, die es gegangen wäre, wenn das Auge von Vater und Mutter noch über ihm leuchtete! Eben weil dieses Gebet eine Wiedergeburt des am Menschen Vergänglichen im Geiste ist, weil es ein bloßes Sterben nicht zugibt, weil es die Blüthe, die vom Baume der Menschheit welk abgefallen ist, im Gemüthe wieder auferstehen und sich entfalten läßt, darum ist es von so heilkräftiger und heiligender Gewalt! Zu wissen: Du stirbst, Du trittst aus dieser ewig ruhelosen, so hinfälligen Hülle in ein geheimuißvolles Jenseits, aber die Erdscholle, die über betnent Haupte rauscht und fällt, deckt Dich nicht ganz; es bleiben solche zurück, die wissen, daß Du gestorben bist, die, wo sie immer auf dem weiten Erdenrunde, ob im Gewände der Armuth oder im schimmernden Prunke des Reichthums sich befinden, dieses Gebet Dir nachsenden; zu wissen: Du nennst keinen grünen Fleck in diesem Lande dein, Du läßt ihnen kein Haus, keinen Hof und Acker zurück, daß sie Dein gedenken müß-