Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 263)
- Language
- German
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237 zunächst angeregt. An eine Franz Joseph-Stiftung zum bleibenden Gedächtnisse der verliehenen Realbesitzfähigkeit sollte sich ein fort und fort wirkendes dringlich angezeigtes Werk der Nächstenliebe knüpfen. In weiterer Folge erging ein von dem Prediger Herrn Mannheimer abgefaßter Aufruf an die Gemeindeglieder. Mit edler Bereitwilligkeit theilten sich Männer von Ansehen und Geltung in die Mühewaltung der persönlichen Aufforderung zur Subseription. Dieselbe ist zur Zeit, als diese Blätter in die Presse gehen, noch nicht geschloffen; doch sind wir schon jetzt in der Lage, die allgemeine Willfährigkeit, welche das Zustandekommen eines ansehnlichen Fonds verbürgen läßt, zu constatiren. Zur Würdigung, dieses Unternehmens möge noch Folgendes dienen. Die Civilisation des Jahrhunoerts hat unfern Glaubensgenossen auch in unfern geliebten Vaterlande ein von ihnen lange aber vergeblich nachgesuchtes Recht gewähren lassem In den verschiedensten Kreisen fühlte man es heraus, daß hier Dank gegen Gott und Menschen wohl an der Stelle sei, und daß unser Dankopfer an dem stets aufgerichteten Altar der Wohlthätigkeit zu vollbringen sei. In solchem richtig leitenden Gefühl begegneten sich Individuen wie ganze Gemeinden. Wohl hätte es unfern vorzüglicheren Beifall gehabt, wenn bei dieser Gelegenheit mehrere — große und kleine Gemeinden sich zur Begründung eines gemeinnützigen Instituts von allgemeiner Heilsamkeit — sei es ein Rabbiner- oder Predigerseminar, sei es ein jüdischer Gustav Adolf-Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Gemeinden in ihren Cultus- und Schuleinrichtungen — geeinigt hatten. Allein wir mußten unsere Einzelkraft der Schwierigkeit gegenüber den Einigungspunct nicht nur in der eigenen Gemeinde, sondern zugleich in andern zu finden, als eine viel zu geringe erachten. Der Wiener Vorstand entschied sich mit überwiegender Majorität für die Begründung eines Waisenfondes, ein Beschluß, dem die volle Berechtigung gewiß nicht abzusprechen ist. Denn wenn die Wiener Gemeinde allgemeinen Bedürfnissen bereits in großartiger Weife Rechnung getragen hat, wie dies die ans ihr hervorgegangenen Institute des Spitals, des allgemeinen israelitischen Taubstummeninfli-