Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 245)
- Language
- German
- Belongs to
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219 derselben leiten, ob ein reines wissenschaftliches Interesse ihn beseelt, ob er die Geduld und die Ausdauer hat, sie nach ihren verschiedenen Richtungen und Strömungen zu verfolgen^, und ob er im Stande ist sich in einen fremden Jdeenkreis zu versetzen, der von bestimmten Zeiteinflüfsen bedingt wurde. Wenn ein berühmter katholischer Schriftsteller unserer Zeit mit Recht ausrust: »Le protestant sincere n’ eprouve derant les ceremonies eatholiques qu’un Sentiment d’indifference ou de repulsion, et pourtant ces rites sont pleins de charmes pour eeux qui y sont habitues depuis leur enfance. Voilä pourquoi tonte expression meprisante et legere est deplacee quand il s’agit des pratiques dune religion« *), so behaupten wir gleichfalls, daß viele jüdische Erscheinungen und Eigenthümlichkeiten von denen falsch beurtheilt werden, welche die Gefühle, Stimmungen und Erfahrungen des Juden nicht kennen. Friedrich Wilhelm Carl Umbreit, Professor der Theologie in Heidelberg und großherzoglich badischer Kirchenrath (geb. II. April 1795, gest. 26. April 1860), hat seine eminente Geistesthätigkeit zwar nur auf die Erklärung der Bibel und vorzüglich der Propheten gerichtet, ohne die spätere, nachbiblische Entwicklung des Judenthums zu verfolgen; allein seitdem selbst biblische Schriften und Charaktere von nichtjüdischen Theologen und Publicisten gegen die heutigen Juden benützt werden, verdienen vorurtheilsfreie Bibelforscher unsere besondere Anerkennung. Dies allein veranlaßt uns aber nicht dem seligen Um breit einen Ehrenplatz in einem jüdischen Jahrbuche zu verschaffen: seit Herder hat kein protestantischer *) E. Benau, etudes d’histoire reJigieuse, p. 38.