Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 244)
- Language
- German
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218 rischen Gerechtigkeit entlehnt, sondern entwirft auch ein Gemälde vom Judenthum, dessen Farben er dem Talmud und den besten rabbinischen Werken entnimmt, das den schärfsten Gegensatz zu Eisenmengers Darstellung bildet. Ueberhaupt ist Molitor's »Philosophie der Geschichte« im Ganzen ein Nachweis, daß Eisenmenger, vom Hasse geblendet, das Judenthum nicht kannte. Was diesem lächerlich und boshaft erscheint, wird unter den Händen Molitor's, der den Organismus des Judenthums und nicht die äisjeeta inemdrA einzelner Schriften betrachtet uub erfaßt, zu einer Vorhalle späterer christlicher Anschauungen. Als ferner das schauerliche Blutdrama in Damaskus so viele Gemüther in Europa empörte und erschütterte, und als der stets schreib- und redesertige Judenhaß alles Ernstes die Beschuldigung erneuerte, daß die Juden Christenblut zur Feier des Passahfestes gebraucht haben und vielleicht hie und da noch brauchen, da erhob sich der fromme Molitor, der Kenner jüdischen Wesens und Lebens, jüdischer Lehren und Bräuche, und schrieb nach seinem besten Wissen und Gewissen ein Gutachten gegen die gräßlichste aller Beschuldigungen, welches von L. H. Löwenstein in Rödelheim 1842 veröffentlicht worden ist. So bewährte sich an Molitor von Neuem der Satz, daß bei Beurtheilung und Würdigung der jüdischen Literatur Alles davon abhängt, welche Absichten den Forscher und Ergründer cum und der christlichen Religion schädliches Buch confiscirt, verboten und verdammt. So wußten Oesterreichs Herrscher noch zu einer unaufgeklärten Zeit ihre israelitischen Unierthanen vor böswilligen Verleumdungen zu schützen. Anmerkung des Herausgebers).