Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 233)
- Language
- German
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207 stalt 200 fl. von einer dem Mittelstände angehörenden christlichen Dame, welche unbekannt bleiben wollte, zum Geschenk erhalten. Auf die in der Kinderbewahranstalt gemachte Bemerkung, daß die Anstalt israelitischen Kindern gewidmet sei, erwiederte die Dame: Das thut nichts; glauben wir doch alle an Einen Gott. Mehrere israelitische Wohlthätigkeitsvereine zu Wien führen stehende christliche Contribuenten auf. Auch der Jahresbericht des israelitischen Krankenhauses zu Tarnow vom Jahre 1859 führt Legate und Spenden auf, die von christlichen Wohlthätern dem Institute zugewendet worden sind. Der Anfangs dieses Jahres zu Wien verstorbene Schauspieler Grün (ein geborner Christ) vermachte einem unbemittelten Juden, der ihn früher unterstützt hatte, 500 fl. und den jüdischen Armen 300 fl. Anstiftungen zur Verhöhnung des Juden, wollen bei dem biederen wohlwollenden Sinn, der die Wiener charakterisirt nicht mehr verfangen. Ein Hundefänger machte sich jüngst das Vergnügen, einen armen alten Juden — in abgerissener polnischer Kleidung — plötzlich mit seiner Hundsschlinge zu überfallen und an sich zu zerren. Das Volk aber, das umherstand, lachte nicht dazu, sondern legte seinen Unwillen über den empörenden Auftritt an den Tag. Der wackere »Hans Jörgel« (so heißt eine in Wien von Anton Langer im Volksdialect redigirte Zeitschrift), der diesen Zug anführt, hat damit den Gesinnungsgenossen des Hundsfängers eine Lection gegeben. Zu Preßburg erschien eine kurzgefaßte Geschichte des israelitischen Volkes von einem Grafen Bereny, welche mit einem Ausruf zur Bruderliebe schließt.