Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 228)
- Language
- German
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202 Diese Kosttage haben die jungen Leute stets im Verkehre mit der Außenwelt gehalten und der sogenannte Oereek erez — Weltsitte — wurde da gelernt. Die Kosttage waren die Schule des Anstandes für den Talmudjünger. Diese »Ordnung« fängt jedoch nicht beim Dache an. Es wird nicht blos Sorge dafür getragen, daß angehende Rabbiner die ihnen nothwendigen Studien machen können, auch für die zarte Jugend wurde gesorgt und war jede Gemeinde verpflichtet einen Schulmeister anzustellen. Eine derartige Schule sollte aus drei Classen, die mehrere Unterabtheilungen befaßte, bestehen. In der ersten Classe wurde Lesen, Schreiben und die ersten Grundsätze der Religion und Bibel unterrichtet, in der zweiten Classe wurde der Talmud vorgelesen (kursorisch), in der dritten Classe, JFura, wurden die Civil- und Religionsgrundsätze zur Bildung der Rabbiner und Tuchoven (?) — Dajanim Gerichtsbeisitzer — gelehrt, deren Besuch Jedermann frei stand. Man ersteht daraus, daß der Plan reiflich durchdacht und erwogen war und mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse involvirte er eine bedeutende Reform, da das Bibelstudium im Lehrplane ausgenommen ist. Diese Vorschläge, die ben Bedürfnissen und Anforderungen der Zeit entsprachen, blieben auf dem Papiere stehen und traten nicht in die Wirklichkeit. Bei dem Umstande, daß die alten Jeschibot aufgehört haben und die jüdische Wissenschaft in keiner Schule in Oesterreich in der Weise gelehrt wird, daß künftige Rabbiner aus denselben hervorgehen können, ist es Pflicht der Juden in Oesterreich, die im Kaiserstaate in großer Anzahl vertreten sind, daran zu denken der jüdischen Gottesgelehrsamkeit eine Stätte