Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 206)
- Language
- German
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180 Das Verhältniß des Judenthums zur Völkergeschichte in Gegenwart und Zukunft ist daher ein hervorstechendes Problem für Denker der neuesten Zeit. Ich habe Ihnen nun über ein Werk zu berichten, das dieses Thema zum Gegenstände seiner Forschung macht. I. Salvador (in Paris) ist Ihnen durch seine früheren, zum Theil Aufsehen erregenden Schriften wohl noch in guter Erinnerung. Wie dieser Autor nun schon in seinem ersten Werke »über die mosaischen Institutionen,« das vor dreißig Jahren erschien,, sodann in den beiden folgenden, die innere Connerität der Religion mit den politischen Zuständen und Bedürfnissen der Zeit zum Ausgangspunct machte, so geht er auch in seinem iteuefteit Werke, betitelt: »Paris, Rome, Jerusalem ou la question religieuse au 19 siecle«, in zwei Bänden theilweise von dieser Ansicht aus; macht jedoch den Vorbehalt, daß Reformen auf religiösem Gebiete nicht blos aus Zeitströmungen hervorgehen dürfen, sondern immer religiöse Gründe haben müssen. Das Werk ist in Briefen abgefaßt, die in den Jahren von 1848 bis 1856 nach und nach geschrieben wurden, und daher auch zuweilen den Stempel des jüngsten Zeitereignisses tragen. Der Jdeengang des Verfassers ist in der Hauptsache der, daß mit dem Wiederaufbau des Orients eine neue Aera für die Religion eintreten werde; die Grundprincipien des Mosaismus sind bestimmt zu hoher Geltung zu gelangen. Es hüben allerdings deutsche Schriftsteller, z. B. Lessing, Kant, Krug (Briefe über die Perfectibilität der Religion), V. Ammon, im Allgemeinen ähnliche Ansichten über die Zukunft der Religionen aufgestellt, doch selbige weniger mit eoncreten politischen Erscheinungen verbunden. Man kann und wird Manches in dem Buche Salvador's gewagt stnden. Einiges artet sogar fast in Spielerei aus; doch enthält