Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 56)
- Language
- German
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30 durch strenge Folgerichtigkeit vertreten; was dort Schmuck und Tintenreichthum, ist hier jene bunt verschlungene Casnistik, der es an einer gewissen Phantasie nicht fehlt, selbst das Gebiet des Möglichen zu überschreiten. Diese Gesetze geben daher den Geist des Judenthums oft reiner zurück, als er aus dem strahlenbrechenden Spiegel äußerer Begebenheiten hervorzutreten vermag. Wir versuchten es darum eine Reihe solcher Gesetzbilder in diesem Jahrbnche zu eröffnen, begannen vor zwei Jahren mit einer Beleuchtung der jüdischen Schulverfassung, da dieses Thema unserem Berufe am nächsten lag, als uns im vorigen Jahre eine von außen gegebene Veranlassung dazu antrieb, die für das Hausgesinde bestandenen Verordnungen zu durchmustern. Aber nicht nur im deutschen Sprachgebrauche leitet vom »Gesinde« sich das »Gesindel« ab, sondern auch in cultnrhistorischer Beziehung entstammte die Heimatsder Besitzlosigkeit, dem Sclaventhum der Bettelstand, und biefem die Landstreicherei und das Gaunerthum. Es war daher unvermeidlich, daß der Blick, der schon im vorigen Jahre an den untern Sprossen gesellschaftlicher Rangordnung angelangt war, nicht auch tiefer hinabgleiten sollte, selbst jene Gebiete durchstreifend, wo allgemach Ordnung und Gesittung niederdämmern, und die Zerrbilder des Menschthums ihr unheimlich Wesen treiben. Denn auch bis da hinab reicht das jüdische Gesetz, und zündet dem Verirrten seine Sterne an, leuchtende Inseln, die ihn den Weg nach oben finden lassen. Ganz besonders nahm aber das Elend in der ursprünglichen Bedeutung dieses Wortes unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Man wird sich nämlich erinnern, daß »Elend« unfern deutschen Vorfahren so viel als Ausland, Heimatlosigkeit bedeutete, und im Elende sich befinden hieß: auf Wanderung und Irrfahrt begriffen sein. Hat aber jedes K