Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 260)
- Language
- German
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222 Nachfolgend Heilen wir einige der Briefe mit, die der ehemalige Kürschnergeselle, jetziger Soldat der k. k. Armee, vom »Kriegsschauplätze« an seine Eltern geschrieben hat. Ein eigenthümlicher Zufall fügte es, daß diese Briese fast jedesmal am Sabbat eintrafen, und so rechtzeitig im Nachmittagsclubb bei Rebb Josel Spitz vorgelesen werden konnten. Von dort haben wir sie. Da aber wohl nicht Gott, desto mehr aber die Menschen auf die »Orthographie« sehen, so haben wir uns kraft der uns im Hähern Grade als dem Kürschnergesellen Marcus Spitz innewohnenden Kenntnis in dieser Wissenschaft, sowie in der deutschen Sprachlehre nur erlaubt, einem hie und da etwas zu laut hervortretenden Gebrechen die mildernde und heilende Hand des Arztes auszulegen. Sonst aber soll der Soldat der k. k. Armee, Marcus Spitz, so schreiben, denken und sprechen, wie es ihm gerade um das Herz herum ist. Briefe des Gemeinen Marcus Spitz aus Italien an seine Eltern in Böhmen. »Triest, den 29. März 1859. »Theuerste und liebste Eltern bis zu hundert Jahren! »Vor Allem thue ich Euch als Euer treuer Sohn vermelden, daß ich mich, dem Allmächtigen sci's gedankt, ganz gesund befinde und hat mir bis dato noch kein Finger weh gethan, wiewohl ich schon habe ausgestanden und gelitten, daß es vor Gott gehen könnt. Das schreib' ich für meine liebe Mutter bis zu hundert Jahren ganz extra, daß sie nicht soll meinen, ich will ihr etwas verbergen. Ich weiß ja, was für ein gebrochen Herz sie hat gehabt, daß ich habe ziehen müssen in den Krieg und habe es ganz gut gesehen, wie sie