Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 257)
- Language
- German
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219 r Hatte der Mann, der mit eisiger Miene jenes Wort sprechen konnte, das die Kriegsfurie mit bachantischer Lust rasen machte, es wohl bedacht, daß seit jener Stunde — eine arme Mutter in einem stillen böhmischen Ghetto jede Nacht mit der qualvollsten Schlaflosigkeit rang? Kein Trost und Zuspruch war seitdem im Stande Genendels angsterfülltes Gemüth zu beruhigen. Sie war überzeugt, wie von einer biblischen Wahrheit, daß ihr Sohn Marcus in den Krieg werde ziehen müssen, als die Federn der Diplomaten noch zaghaft über dieses Wort hinweghuschten und honigsüße Depeschen noch immer das Friedensglöckchen läuteten. Wenn man ihr zuweilen aus den Zeitungen die Mittheilungen vorlas, die darauf berechnet waren, den nun in aller Furchtbarkeit grollenden Gewittersturm als eine vorübergehende, innerhalb der »Cabinete« vertonende Mißstimmung zu bezeichnen, schüttelte sie ungläubig den Kopf und meinte.' »Rebb Feiwel Buchhalter hat gesagt, daß Krieg wird und der weiß das besser. Mein Sohn Marcus muß zum Militär.« — Bekanntlich hat sich die arme Mutter aus dem Ghetto in ihrem ahnungsvollen Gefühle so wenig getäuscht, als dagegen manche hochstudierte Weisheit trotz aller Ueberzeugung fehlgegangen ist. Noch ehe Genendels Sohn das gesetzmäßige Alter vollständig erreicht hatte, erschien schon im Hause die bekannte Gerichtsdicnersphhsiognomie vom Bezirksamte mit der Weisung, »daß Marcus Spitz, Kürschnergeseke, am 10 Februar 1859 um 9 Uhr Bormittags in dem Conscriptionszimmer Nr. 5 um so sicherer zu erscheinen habe, widrigenfalls u. s. w. »Marcus Spitz hatte natürlicher Weise gegen die Drohung des gesetzlichen Paragraphs nichts einzuwenden, war in Gesellschaft seines Vaters und seiner Mutter, die unten vor dem Bezirksamte qualvoll aus den Ausgang warteten, auf den; Conscriptionszimmer Nr. 6 4