Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 143)
- Language
- German
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derblichen Einflusses der von der Armuth unzertrennlichen Verwahrlosung sich noch immer auf einem respectablen Stand erhält. Die uns vorliegende statistische Straftabelle des Königreichs Polen für das Triennium 1855—57 gibt interessante Ausweise darüber. Die jüdische Bevölkerung steht an Zahl der christlichen beinahe gleich. Dennoch gab es während des besagten Zeitraumes nur 1442 Straffälle unter den Juden gegen 8831 unter den Christen, also um weniger als den sechsten Theil im angegebenen Verhältnisse. Weiterhin ergibt sich in den Kapitalverbrechen und geschlechtlichen Vergehungen für die Juden ein überaus günstiges Berhältniß. und das Gegentheil nur in Ansehung von Betrugs- und Defraudationssällen. Solche Daten widerlegen wohl am schlagendsten die aus Borurtheil oder Böswilligkeit unterstellten Angaben über den liefern Moralitätsstand der jüdischen Bevölkerung in Polen. — Rühmlich ist noch zu erwähnen, daß sich jetzt in Rußland ein regeres Leben aus dem Gebiete der hebräischen Literatur sowohl in eigenen Schöpfungen, als in gelungenen Nachbildungen fremder Meisterwerke kund gibt. Beinahe von Jahr zu Jahr hatten wir von fanatischen Judenverfolgungen in den Donaufürstenthümern zu berichten; in dem abgelaufenen aber scheinen sie ihren Höhepunct erreicht zu haben. Das Signal dazu war eine zu Bukarest, wo nicht auf Befehl doch unter den Augen des Metropoliten gedruckte Schmähschrift gegen die Juden. Unter andern Schändlichkeiten beschuldigte sie die jüdischen Aerzte (und wohl ein Drittheil der Aerzte in den Donaufürstenthümern sind Juden) ihre christlichen Patienten zu vergiften, tischte das Ammenmärchen, daß die Juden zu ihrem Osterfeste Christenblut brauchen, wohlgefällig wieder auf, und schloß mit der Erklärung, daß derjenige Christ, der einen Juden tödte, sicher sei, daß ihm alle seine Sünden vergeben werden, und daß ihm der Himmel nach dem Tode offen stehe. Solche Worte sollten bald zu