Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 117)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-2609292--4173-2611520- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
79 wurde zugleich die Preßburger Rabbinatsschule zur öffentlichen Lehranstalt erhoben. Wir können uns nur freuen dem Bedürfniß einer Pflanzschule für künftige Wortführer des geistigen Judenthums Rechnung getragen zu sehen. Allein wir wollen uns nicht verhehlen, daß eine Angelegenheit von so wichtigem und allgemeinem Interesse einer umfassenderen Würdigung der Betheiligten undFachkundigen zu unterziehen gewesen wäre. Eine Enquete bei mehrerenHauptgemeinden hinsichtlich des für eine solche Pflanzschule zu erwählenden Weges und die dabeizu beobachtenden Modalitäten würde uns angezeigtgeschienen haben. Denn findet auch kein Zwang zur Ausnahme der aus einem solchen Seminar hervorgehenden Candidaten statt, so kann es doch den Gemeinden nicht gleichgiltig sein, ob die einzige geistliche Lehranstalt für das Judenthum in Oesterreich (die Paduaner ist durch Sprachverschiedenheit abgesondert) nach Grundsäßen geleitet wird, welche sich einer maßgebenden Billigung zu erfreuen haben oder nicht. So wenig wir hiermit beabsichtigen einen Schatten auf die Preßburger Anstalt werfen zu wollen, und aus Antecedentien derselben ein Borurtheil über ihre künftigen Leistungen zu schöpfen: so kann uns doch nur ihr Programm und die Art der Ausführung desselben die Beruhigung gewähren, ob sie ihre Mission und den von der Regierung schon früher an die Bildung künftiger Rabbinen gestellten Anforderungen entspricht; oder aber die unabweisliche Errichtung einer anderen Pflanzschule hervorruft, welche ihrer Aufgabe vollkommen gewachsen ist, und wofür uns in der Nähe ein würdiges Vorbild in dem das strengpositive, aber auch durch und durch gebildete Judenthum vertretende Breslauer Seminar vorliegt, das sich der umsichtigen Oberleitung des Rabbiners Doctor Z. Frankel, eines Oesterreichers, erfreut. Das aus Anlaß der Geburt eines Kronprinzen zu errichtende Krankenhaus in Wien wurde nach ausdrücklicher Bestimmung Seiner Majestät der Aufnahme von Kranken ohne Unterschied des