Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 101)
- Language
- German
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! 63 Was man diesem eigentlich zur Last legte und worauf jener 'Richterspruch sich gründete, war eines jener unbestimmten, nebelhaften Verbrechen, welche man aus Mangel an einer unzweideutigen Anklage und an thatsächlichen Beweisen, gemeiniglich aus der Luft zu greifen sich bemühte; eine Procedur, worin der Glaubenshaß, der unersättlichste Plagegeist der menschlichen Gesellschaft zu allen Zeiten und bei allen Völkern, seine schauererregende Ersindungskraft zu entwickeln pflegte. Die Religion mußte auch hier, wie bei jedem blutigen historischen Drama, wo Neid und Haß die Hauptrollen spielten, den Vorwand leihen. 'Bethsal wurde wegen Gotteslästerung verurtheilt. Man beschuldigte den Unglücklichen, welcher General-Pächter der Zollhäuser war, ein Crucifix in seinem Hause zu besitzen, auf welches er die Kaufleute schwören ließ, die siscalische» Gesetze gewissenhaft zu befolgen, und welches Bild des Heilands er nach vollbrachter Beeidigung ohne alle Ehrfurcht unter seinen bestäubten Papieren ausbewährte. Unserm Helden glückte es, nach vieler Mühe und Anstrengung, Bethsal das Leben zu retten; jedoch starb dieser zwei Jahre daraus, ohne völlig freigesprochen worden zu sein. Der Arzt Jonas wäre ein Opfer ähnlicher Verfolgungen geworden, wenn nicht die zunehmenden körperlichen Leiden Sobieski's, welche Jonas oft durch seine Kunst zu lindern wußte, den Reichstag bestimmt hätten, Mitleid zu üben; Mitleid für den Leidenden, wenn auch nicht für seinen Arzt. Nachdem Sobieski 1683, als die Türken Wien belagerten, mit 20.000 Polen herbeieilte und in Verbindung mit den inzwischen ebenfalls herbeigekommenen deutschen Hilfsvölkern die Kaiserstadt durch die Schlacht vom 12. September rettete, in der er auch die Fahne Mohammeds erbeutete, die er an den Papst „