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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1859-01-01 · Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859) · p. Seite 55

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 55 (sequence 93)
Language
German
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IRI
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55 Bunte Menschen und Wünsche erscheinen nun vor dem Throne der irdischen Allmacht: ein Vater, dessen alternde Tochter daheim seit lange aus Erlösung wartet — ein junges Weib, deren Ehe keine Rosen und keine Kinder trägt — ein unglücklicher Mann, der auf dem Ocean des Lebens Schiffbruch gelitten — von ihren Aerzten aufgegebene Kranke, die fich der Wundercur anvertrauen — ja ein blinder Bauer sogar, der den Rabbi für einen Dürrkräutler hält und um ein Kraut für seine erloschenen Augen fleht; und mitten unter Allen Frau Fradel mit ihrem Söhnchen, Hilfe und Braut suchend! Es geht so den ganzen Tag; Besucher kommen und gehen und drängen einander; die Einen fordern Hilfe, die Andern verlangen Rath, aber ein Jeder bringt eine Gabe, der Eine Gold, der Andere Silber mit und Jeder trägt eine Hoffnung heim: der Blinde auf ein erneuertes Sehvermögen, der Lahme aus verjüngte Kraft, das unfruchtbare Weib auf Mutterfreuden, das vergessene Mädchen auf Erlösung, der Kaufmann auf reichen Gewinn. Nach allen Seiten hin verspricht der Wundermann seine Fürsprache beim himmlischen Vater und zündet in allen Herzen die Hoffnung an und zündet sie wieder an, wenn sic zu erlöschen beginnt, und die Gläubigen wieder an den Born des Trostes gepilgert kommen! Die Masse des untern, von keiner Sonne beschienenen Volkes blickt zum Rabbi hinauf wie zu einer überirdischen Gewalt, und pilgert zu ihm in Glück und Nöthen, in Freude und Kummer. Die Armuth kömmt schlottrig und hohläugig, das Unglück gebeugt, das Leiden auf Krücken, der Reichthum in Carroffen; aber sie kommen Alle, und Alle sind ihm tributär. Selbst wer vom Glück begünstigt, von Frau Fortuna an Kindesstatt angenommen vor der Fülle des Glückes erschrickt, eilt ängstlich her, sein Lösegeld in die Hand des Mannes zu legen, der das Berhängnisi bannen und das gute Glück dauernd fesseln soll!

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