Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 48)
- Language
- German
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10 Lebens. Er versammelte Jünglinge um sich, denen er Bibel und Talmud erläuterte. Einzelne und Gemeinden wandten sich an ihn, als an die bedeutendste talmudische Autorität, mit Anfragen und er beantwortete sie aus den Quellen mit vieler Gelehrsamkeit. Mit derselben Feder, mit der er Regierungsdecrete ausfertigte, schrieb er auch einen Commentar zum Pentateuch und talmudische Abhandlungen. Ja er brachte zuerst in das Talmudstudium eine wissenschaftliche Methode. Eine lichtvolle »Einleitung in den Talmud« hatte den Zweck, dem Jünger den Ariadnefaden für das talmudische Labyrinth zu reichen und ihn zu vrientircn. Samuel »der Fürst« legte auch den Grund zu einer übersichtlichen Darstellung der jüdischen Geschichte nach der Tempelzerstörung. Als Eingang zu seiner talmudischen Einleitung setzte er die Ringe der »Traditionskette'' durch die talmudische, gaonäische und saburäische Epoche hindurch an einander bis aus seine Zeit. Er hatte zwar darin einen Vorgänger an Scherira, dem vorletzten Schulhaupte von Babylonien, aber Samuels geschichtlicher Umriß war lichtvoller und faßlicher als Scherira's. Seine Talmudkenntniß war so tief nnd umfassend, daß er einen Commentar zu vielen weitschichtigen Tractaten mit Rücksicht aus die religiöse, civilrichterliche und eherechtliche Praxis schrieb unter dem Titel »Hilchata Gabriata.« Kaum haben wir jetzt eine rechte Vorstellung, wie dieser vielbeschäftigte Minister zu ausgcbreiteten literarischen Arbeiten Muße hatte. Er war nämlich auch hebräischer Dichter und verstand es Reim und Versmaß zu handhaben. Er dichtete in den Klängen der heiligen Sprache gemütherhebende Gebete nach Psalmenart und nannte sie den »jungen Psalter« (Hon Thehilliro). Er componirte inhaltsschwere, gedankenreiche Sentenzen, als Frucht seiner tiefen Beobachtung der Menschen und der Verhältnisse, und nannte sie das »junge Spruchbuch« (Le» Mischle). Er stellte endlich eine Lebensphilosophie aus nach dem Muster des »salomo-