Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 332)
- Language
- German
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288 Die Leistungen der Wiener Eullusgemeindc für religiöse und wohlthätige Zwecke sind in diesem Jahre wie in keinem der vorangegangenen wahrhaft großartig zu nennen. Sprechen wir vor Allem von dem neuen prachtvollen Tempel in der Leopoldstadt, wozu der Schlußstein am Bortage des israelitische» Pfingstfestes, am l8. Mai 1858, feierlich gelegt wurde. Non vielen Seiten wurde lebhaft beklagt, daß dieses herrliche Gotteshaus, welches unstreitig den schönsten architectonischen Zierden dieser Residenz bcizuzählen ist, sich eines wenig günstigen Standpunctes zu erfreuen hat. Allerdings leidet die Schönheit des Gebäudes hiedurch; doch müssen wir auch der Ansicht Rechnung tragen, daß man von der kaiserlichen Huld einen bescheidenen Gebrauch machen wollte und es vielleicht absichtlich vermied, sich mit dem Bethause einer wegen der Art ihrer Eottesverehrung noch zurückgeseßten Religionsgemeinde auf einen stark srequentirten Platz vorzudrängen. Die Schwierigkeiten, welche bei diesem kunstvollen Bau zu überwinden waren, sind von dem Architecten, k. k. Rath'Förster, bei Gelegenheit der Grundsteinlegung umständlich dargelegt worden. Diese erhebende Feier bestand in Kürze in Folgendem: Ein Psalm eröffnete die Festlichkeit, dann hielt der Prediger Hr. Dr. Jellinek eine geistvolle Festrede, der die Verlesung der Gründungsurkunde durch dcn Secrctär der Gemeinde, Dr. Frankl, und ein den Vau erklärender Vortrag vom Architecten Herrn Prof Förster folgte. Unter Absingung des Psalmverses: »Der Stein, den die Bauleute verwarfen, wurde zum Eckstein,« wurde der Schlußstein eingesenkt, den der Dichter Lud. Aug. Frankl am Berge Zion in Jerusalem gebrochen und der Gemeinde als fromme Spende mitgebracht hat. Die üblichen Hammerschläge führte Herr Prediger Manheimer mit begeisternden Worten, der Rabbiner Herr Hvrwitz mit einem hebräischen Spruche. Ein Segen, ein Gebet von Herrn Dr. Jellinek und die Bvlkshhmne machten den Schluß. Die Gesänge