Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 304)
- Language
- German
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260 Auch über den ehrenvollen Antrag der Schulsection, der ihn zum Oberlehrer berief, gab Arnsteiner genügende Aufklärungen. Er hatte den Brief schon vor einigen Tagen erhalten, aber in der Gefangennahme seiner ganzen Seele von der unglückseligen Thorheit, der er soeben entronnen — »wie an den Tod« ganz vergessen. Erst auf dem Heimweg von jenem Orte der Zusammenkunft sei ihm das Schreiben eingefallen, Gott selbst mußte ihm diese Erinnerung geschickt haben, denn nun habe er etwas gehabt, um vor Sali hinzutreten und zwar nicht mit leeren Händen! »Alles ist eine Schickung von Gott!« ries die Federschleißerin dazwischen, die bis dahin in die Unterredungen des Paares durch kein lautes Wort hineingegriffen hatte. »Alles ist eine Schickung von Gott,« wiederholte sie noch einmal, da ihr die Beiden nicht sogleich antworteten, »vielleicht ist's auch so mit den Büchern von dem guten Maier (mit dem der Friede sei). Jetzt kommen sie doch in die Hände von Einem, der sich d'rauf versteht. Und ich Närrin Hab' mich unterstanden, vorhin darüber eine Klage anzuheben.« Jetzt ward Arnsteiner erst aishorchend. »Was für Bücher sollen das sein?« fragte er hastig. »Gib sie aus dem Kasten heraus, Sali,« sagte die Federschleißerin, »Du weißt, sie liegen in der untersten Lade ganz hinten versteckt.« Sali sprang aus ihrem Winkel auf, und nach einigem Suchen legte sie vier alte in Schweinsleder gebundene Folianten aus den Tisch. Kaum war ihrer der Lehrer ansichtig geworden, als auch er blitzenden Auges aufsprang und an den Tisch trat. Er schlug das Titelblatt des einen Bandes auf, sogleich schrie er: »Großer Gott, wie kommen die Bücher hieher?«