Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 303)
- Language
- German
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259 Da legte die kleine Sali, erröthend wie der junge Tag, ihre Hand in die dargereichte des Lehrers und mit einem Tone, der aus den Tiefen einer jungfräulichen Seele kam, sagte sie: »Ich habe mir auch nichts Besseres gewünscht. Da haben Sie mich, Herr Arnsteiner!« Und Julius Arnsteiner zog nicht nur die Hand an sich, sondern das schöne glühende Mädchen in seine Arme, und es dauerte eine geraume Weile, bis er das eben gefundene Glück seiner Zukunft wieder los ließ! Mitternacht war gekommen, da saßen die Drei noch immer in traulichen Gesprächen und dachten an nichts, als was in unmittelbarster Verbindung mit ihrem Glücke stand. In jenen wunderbaren Winkel hatte sich Sali wieder geflüchtet, nicht um dort zu träumen, sondern das längst Geträumte in lebendiger Wirklichkeit immer aufs Neue anzublicken und zu bewundern; denn Julius Arnsteiner saß neben ihr. Viel Mühe und Beredsamkeit hatte es ihm gekostet, bis er die holde Mädchenhaftigkeit seiner Braut dahin gebracht, ihn nicht mehr mit dem respektvollen »Lehrer« oder mit dem ceremoniösen »Arnsteiner«, sondern mit »Julius« anzureden —; aber als dieses Wort zum ersten Male über die Lippen des Mädchens kam, da war es wirklich, als sei von einer verborgenen Quelle der Stein, der sie deckt, hinweggeräumt worden. Die kleine Sali wurde geschwätzig und erzählte außer Reihe und Ordnung, was sie in diesem Winkel Alles zusammengebaut, genäht, gefegt und gereinigt habe, und Arnsteiner dagegen kam immer wieder darauf zurück, daß er eigentlich statt Sidonia Winterseld stets Sali gemeint habe, und zählte ihr für diese Behauptung eine Unmasse von Beweisgründen auf, von denen jeder das Gute hatte, daß er nicht widerlegt zu werden brauchte, und endlich stimmten Beide darin zusammen, daß es so die »Schickung« mit sich gebracht habe, und es besser sei gar nicht darüber nachzudenken. 17