Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 288)
- Language
- German
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244 »Was, Herr Arnstein er?« »Ihr väterliches Haus verlassen, Reichthum und Glanz entsagen, nur dem Zuge Ihres Herzens folgen?« Das Mädchen hielt sich ihr Schnupftuch vor den Mund und kicherte. Der Lehrer meinte aber schmerzliches Schluchzen zu hören. »Sie weinen, Sidvnia!« rief er in tiefster Rührung. »Wo fallen Sie aus, Herr Arnsteiner?« rief das Mädchen und lachte. . . und lachte, daß das Schnupftuch in ihren Händm zitterte. Dem Lehrer dämmerte ein entsetzliches Licht auf; er wollte sich erheben, aber er vermochte es nicht; unsichtbar wirkende Kräfte hielten ihn auf der Bank zurück. In demselben Augenblick ertönte noch eine andere Stimme, als die Sidonia's, neben dem unglücklichen Lehrer; sie schien wie aus dem Boden gewachsen, aber trotz seines namenlosen Zustandes erkannte sie Arnsteiner, und daß sie nur dem Einen angehörte, den er in dieser Stunde auf der ganzen Erde am meisten zu fürchten hatte. »Nun, Herr Lehrer,« sagte Lazar Winterfeld, »schöne Narretheien stellen Sie da an. Statt mit meiner Tochter zu lernen, wie sie einen guten Geschäftsbrief soll zu Stand bringen, schreiben Sie ihr Liebesbriefelchen. Schickt sich das für einen Lehrer, dem man alle Monate sein Geld richtig auszahlt? Zn Nacht und Nebel muß man Ihnen nachgehen, und Sie können die Vermessenheit haben, meine Tochter zu sich zu bestellen?« »Lass ihn geh'», Vater,« hörte er Sidonia gleichsam beschwichtigend sagen, »er hat nur gemeint, im Freien läßt sich besser mit dem Kops rechnen, als drin im Zimmer.« ' j »Sie werden es weit bringen in der Welt,« fing wieder La-! zar Winterfeld an, »wenn Sie solche Narretheien forttreiben. Ha- I ben Sie vielleicht wirklich geglaubt, ich wart' mit meiner Tochter,