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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1858-01-01 · Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859) · p. Seite 225

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
Date
1858-01-01
Page
Seite 225 (sequence 269)
Language
German
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225 einer guten Weile rief er nus: »Bei Gott, da hätte ich bald vergessen, daß ich Dich zur stillen Vertrauten meiner Schmerzen gemacht und in ein Geheimniß eingeweiht habe, welches ich nur dem Papiere anvertraut hatte.« »Ich habe es aber keiner lebenden Seele gesagt,« betheuerte Sali mit dem Tone der reinsten Aufrichtigkeit. »Daran thatest Du recht, mein Kind,« rief der Lehrer wahrhaft erleichtert; »was braucht die Welt es zu wissen, welchen Qualen man ausgesetzt ist — wenn man nach etwas Hohem strebt.« »Und sie soll's auch nicht wissen?« fragte die Tochter der Federschleißerin unerklärlich laut. »Wer ist »sie?« »Sidonia«, entgegnete die Schülerin verschämt die Augen niedersenkend. Arnstciner machte wieder einen Gang durch die Stube. Mehrmals hielt er inne und blieb vor Sali stehen, aber eben so oft kehrte er sich wieder ab und setzte dann seinen gedankenschweren Weg unter Schweigen fort. Endlich blieb er wieder vor der Schülerin stehen. »Hör' mich an, Sali,« begann er, abwechselnd roth und blaß werdend, indem sich ihm dabei die Worte ganz gegen seine Gewohnheit nur schwer aus der Brust hervorrangen, »hör' mich an! Du scheinst mir ein gescheidtes Mädchen und verstehst Dich merkwürdig fein, in den Seelen der Menschen zu lesen. Wie wäre es mir sonst eingefallen, Dir einen Einblick in mein Innerstes zu gewähren, da ich doch am besten weiß, wie wenig Dich sonst dein Wissen befähigt, mir in die Jrrgänge meines nach Bildung und Kenntnißbereicherung ringenden Geistes zu folgen.« Die Tochter der Federschleißerin schaute tief gerührt zu dem also sprechenden Lehrer aus; Thränen der Freude und des Dankes glänzten in ihren Augen; denn das war ihr noch nie geschehen, daß Jäher, f. J«r. 15 I

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