Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 267)
- Language
- German
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223 als zwei oder drei andere! Warum? Weil er den Menschen von den urältesten Zeiten her so gefällt!« Nach dieser Einleitung zeichnete der Lehrer ein wunderprächtiges »S« auf Sali's Papier, und hieß sie nach Möglichkeit »diesen schönen, sanften Schwung,« namentlich aber den »Schlangenzug« nachahmen. Sali bemühte sich so viel sie konnte; aber die Schwierigkeit des Buchstabens war zu groß, die halbe Seite des Schreibbogens wimmelte bereits von Ungeheuern, die ein »S« vorstellen sollten, doch nicht ein einziges konnte auch nur entfernt mit dem glänzenden, kühngeschwungenen, und doch so milden Beispiel des Lehrers sich messen. Das war sonst nicht der Fall, Sali hatte eine merkwürdige Begabung für das Schreiben, und nach Arnsteiner's Ausdruck schlummerte in ihr der »Znftinct eines Kalligraphen.« Arnsteiner schüttelte bedenklich das Haupt; nach dem, was sich gestern mit ihm ereignet hatte, nahm es ihn kein Wunder, wenn die Welt sich überhaupt zu ihrem Nachtheile verändert hatte; warum nicht also auch Sali's Talent für das Schreiben? »Du scheinst mir heute nicht von dem gewöhnlichen Geiste beseelt, Sali,« sagte er. »Sonst wäre Dir dieser Buchstabe eine! Kleinigkeit gewesen.« Zur Bekräftigung dieses Ilrtheils zeichnete Sali eben auf das Papier ein noch kläglicheres Ungeheuer hin, gegen welches die Vor- I gänger ganz liebliche Geschöpfe waren. »Wir werden wieder zum »P« zurückgehen,« sagte der Lehrer mit klangloser Stimme, die bei ihm stets das Anzeichen innerlich tobenden Aergers war. Da ries Sali plötzlich, als hätte es erst dieser Drohung bedurft, um sie von dem Banne zu befreien, der heute auf der Schreiblection lastete: »Soll ich Ihnen sagen, Herr Arnsteiner, was sich noch mit einem »S« anfängt?«