Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 237)
- Language
- German
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193 über das Gesicht als wollte er von dort etwas wegwischen, was ihn beirrte. »Deine Mutter," sagte er nach einer Pause, »gibt also wirklich was darauf, daß ich mit Dir lerne? Sie hat also wirklich Sinn für Bildung?« »Wie heißt?« rief das Mädchen lebhaft. »Es vergeht ja keine Stunde im Tage, wo sie nicht von Ihnen spricht. Auf meinen Herrn Zulius Arnstcincr, hat sie noch gestern am Abend gesagt, da lasse ich nichts kommen, was auf ein Quentel geht. Das ist der beste Mensch, der auf der Welt lebt; man kennt sich nur nicht so in ihm aus, weil er ein so gewaltig gelehrter Mensch ist. Die Mutter hat auch den Winter über etwas gethan, was ich jetzt wohl verrathen darf. Sie hat die schönsten und feinsten Federn, die sie nur hat zusammenklauben können, geschlissen, es ist auch nicht eine schlechte darunter, lauter Flaumfedern. »Da d'rauf,« hat sie gesagt, »soll kein And'rer schlafen, als mein Herr Arnsteiner, es ist keiner in der ganzen Gemeinde werth, auf solchen Federn zu liegen; die heb' ich ihm auf, bis er einmal heirathet.« »Eher gibt sie die Federn nicht her? Deine Mutter will also sicher gehen?« rief der Lehrer beinahe lustig. »Nun, wer kann wissen, was in den Sternen geschrieben steht?« Es war ein merkwürdiger Blick, der bei diesen Worten aus den Augen des Mädchens nach dem Lehrer hinglitt. Aber so wenig man den Blitz aufhalten kann, so wenig hätte, selbst wenn er aufmerksamer gewesen wäre, Herr Arnsteiner die Bedeutung dieses Blickes ergründen können. Ja, wie der Blitz in dem einen Augenblicke mit grellem Lichte alle Gegenstände erhellt, während iin nächstfolgenden die alte Finsterniß wieder in ihr Recht tritt, so war es auch mit diesen Mädchen. Jetzt — es dauerte aber nicht länger als eben jener Blick — ein fragendes, nach Lösung ringendes Eeheimniß in den feinen Zügen des Antlitzes, und jetzt wieder die am Jahrb. f. JSr. 1838. " 13