Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 99)
- Language
- German
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55 dürste, bis sie dereinst, wie die Schlange in der Fabel, an dem eigenen Bisse verenden wird.) — Zu andern sachlichen Erörterungen über die Zahl- und Raumlehre, Stern-, Thier- und Pflanzenkunde gab der über alle Beziehungen des Lebens sich erstreckende Religionsunterricht häufige Veranlassung, welche Mittheilungen sich um so inniger dem Geiste einverleibten, je gelegentlicher und zwangloser sie gemacht werden. (Jene unserer Volksschulen, wo jede Stunde ihr Fach, und jedes Fach seine Stunde hat, knebeln Punct neun llhr den Mund und schnüren die Beine, daß die Arme allein noch walten, verkleistern das Auge, um das Ohr zu üben. Das Fächerwerk gehört wie das Gezweige des Baumes nach oben, nicht nach unten.) — So war nun der Lehrstoff in der classischen Judenschule geordnet. Und dabei ward nicht etwa vergessen, nein ausdrücklich verboten, die Kinder in die abstracte Religionslehre einzuführen, und kein Leitfaden mit verstandeswürgenden Begriffsdesinitionen führte die Jugend in jenes Paradies ein, das wir heute den Kern des Religionsunterrichtes nennen! Vielleicht hielten die Alten diesen Kern für den der Steinfrüchte, von denen man die saftigen Kapseln genießt, und mit dem, was dahinter steckt, die Zähne nicht gefährdet. Genug, die Kinder begriffen ohne Definition, und blieben kernfromm. Wie der Lehrstoff war auch die Methode und die Schulzucht geregelt. Gute Aussprache, richtige Betonung, correcte Lehrbücher, Sorgfalt in der Wahl der Ausdrücke wurden unerbittlich gefordert. Gemeine Sprache verräth gemeines Herz, breiter Vortrag kurzen Sinn. Keusch, würdevoll, kurz und schlagfertig war die Losung für Lehrer und Schüler. Für des Ersteren Mienenspiel und Vortragsweise galt die Regel: »Die Thora mit Demuth und Ehrfurcht, die Mischna in Ernst und Gemessenheit, die Gemara lebhaft und erregend, die Agada heiter und launig.« (Wie stünde es diesen Regeln gegenüber mit jenen breitmäuligen Schülern, deren »guten