Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 89)
- Language
- German
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4L wachsen, weil ihm der Rock doch schon zu kurz geworden — aber ein kurzes Kleid macht doch noch keine» langen Mann! Und blicken wir einmal über die Mauern der Judenschule hinüber in jene Pflanzstätten, aus denen die erleuchtetsten Männer der europäischen Welt hervorgegangen, in deren Räumen sich die Zugend zu jener edlen Bildung erhebt, die mehr bedeutet als Butter und Käse, welche man von den »milchenden Kühen« der auf Handel und Industrie gerichteten Kenntnisse gewinnt! Zhr sehet auch dort unter dem Zauberstabe des Unterrichtes die Gräber der Vergangenheit sich öffnen, und aus den Trümmern einer niedergesunkenen Welt die Gestalten emporsteigen, an deren verklärtem Lichtscheine die jungen Geister sich zünden. Zwei todte Sprachen sind fast der ausschließliche Lehrstoff jener Schulen, und gerne ehrt in ihnen die bessere Menschheit das glanzvolle Alterthum; denn in dem Vermächtnisse der Borwelt haben alle großen Geister, die der Stolz der Menschheit geworden sind, ihre geistige Nahrung gefunden. Und doch steht die heutige Bildung nicht in so unmittelbarem Zusammenhang? mit den Sprachen Roms und Hellas', als die Sendung der Juden mit der Sprache des Schristthumcs, für welches sie den unsäglichen zweitausendjährigen Kampf gekämpft haben. Wir tragen in der hebräischen Sprache eine Vergangenheit zu Grabe, durch die allein wir uns verstehen können, zertreten knabenhaft eine Saat, die wir nicht gesäet, unterwühlen den Boden der Synagoge, der fortgesetzten Religionsschule, zerreißen das Band, das die weit versprengten Glieder unseres Stammes noch zusammenhält, vernichten unsere Erinnerungen wie Hoffnungen, und verlieren sie an eine Zeit und Gegenwart, in der Niemand außer uns noch in der schlaftrunkenen Verschwommenheit und Allgemeinheit mehr verharren will, und alle andern Kreise aus scharfes Gepräge und bestimmte Gestaltung dringen. Man sieht also, was der Judenschule Wesen und Streben