Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 53)
- Language
- German
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9 sonders an der Straße nach Venedig, ansäßig. Es ist auch nicht zu läugnen, daß die Juden den Handel an sich rissen, zu hohen Procenten Geld ausliehen und vielleicht in Folge ihres Schutzes vom geldliebenden Friedrich sich öfter Anmaßungen erlaubten. Dadurch brachten sie das immer zu Excessen geneigte Volk gegen sich auf, und auch dem Adel, der gern borgte aber schwer zahlte, waren sie höchst lästige Gläubiger. Der erste Schritt gegen die Juden ging vom Grafen Ulrich von Cilli aus. In der dritten Handschrift von Cilli heißt es: »Ich wolt dass alle Fürsten und Herren die Juden mannden zu haben, als man zu Rom thuet, da sie nicht gethan wuchern. Dan ich kan nicht wol weisen, welcher ein grösserer Gesucher sei, ein Jude, der auf Gesuch leichet, oder Herr oder Fürst der ein Gesuch vrseiklich schafft ainzubringen. Ich sorg, sie werden gleich gebusset, der Heller als der Steller.« (Wir sehen aus dieser Stelle deutlich, daß die Herren und Fürsten sich der Juden gerne bedienten.) Die Unzufriedenheit über die Juden nahm aber immer mehr zu, und mit dem Tode Friedrichs war das Schicksal des »auserwählten Volkes« entschieden. »Der Herr lag im Grabe, der Helfer mußte büßen,« sagt Schneller. ’) Beinahe unmittelbar nach Friedrichs Tode mußten die Stände die Verhandlungen wegen der Vertreibung der Juden ausgenommen haben, da schon 1495 dem Stifte Göß der Auftrag gegeben zu lesen: Wan ein Fürst in seinen landen gelt wil machen zu taffe» sein gult oder geschlosser, so mag er von seinen Pieleten, pfarrere». purgern oder juden oder sunst von seinen edelleuten gelt entnemen. l) Schneller a. a. O. III. Band, 8. 640.