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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858) · p. Seite 398

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 398 (sequence 437)
Language
German
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IRI
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398 wenig darum. Nur langsam löste sich das Entsetzen, in das Hannele Ehrenfeld von dem ersten Briefe, der die offene Mittheilung des Geschehnisses enthielt, versetzt worden war. Sie selbst war aufs Dorf hinausgekommen, und Mosel hatte ihr in die alte Heimat folgen müssen. Wie eine Löwin, der man ihr Junges geraubt, hatte sie das Mädchen aus dem Gchooße des Bauernhauses gerissen. Von der ehemaligen Freundschaft war nicht mehr die Rede; nur die beleidigte Mutter, die gekränkte reiche Frau ließen sich hören. Nie waren so viele Thränen, niemals so böse Worte auf dem Bauernhöfe gefallen, als damals. Nicht Spott, nicht Hohn, nicht das bald schmeichelnde, bald gewaltsame Zureden der Mutter vermochten Rosel abtrünnig zu machen von dem, dem sie sich aus freier Wahl und selbständiger Anschauung zugesellt hatte. Aber als sechs Monate vorüber waren, war das Aussehen Rosels beinahe eben so, als es vor ihrer Abreise aufs Dorf gewesen. Diesmal konnte Hannele beinahe mit mehr Recht sagen, als früher: das, was ihrer Tochter fehle, sei ein »zu groß« Herz. Es bedurfte des ganzen Ansehens, das der Doctor Prager vermöge seiner Stellung und seiner eigenen Geschichte genoß, um Hannele im entscheidenden Augenblicke, in dem er ihre Hartnäckigkeit für die Folgen verantwortlich machte, endlich umzustimmen. »So mag sie denn eine Bäuerin werden!« rief sie, »wenn sie Lust dazu hat!« Und die ist denn auch Rosel in der schönsten und wahrstenBedeutung dieses Wortes geworden. Ein ganzes Jahr lang kam Hannele Ehrenfeld nicht zu der einzigen und doch so geliebten Tochter aufs Dorf; sie schrieb ihr auch nicht, und ließ sich nicht schreiben. Zu hoch gingen noch die Wogen ihrer aufgeregten Stimmung. Wenn man sie fragte, wie

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