Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 430)
- Language
- German
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391 »Mein hoch- und werthgeschätztes Fräulein Rosa! »Ihre sehr verehrte FrauMutter theilte mir jüngst sud rosa mit (es ist dies eben kein Witz, sondern lateinisch, und will so viel bedeuten als: im Geheimen, oder was man im gewöhnlichen Leben so nennt: unter der Hand), daß Sie während Ihres aus Gesundheitsrücksichten auf das Dorf unternommenen Ausflugs Ihre bisher mit so vielem Talente und Begabtheit gelernten Lehrgegenstände zu vernachlässigen, die beinahe ausgesprochene Intention zeigen. Seitdem geht mir diese Mittheilung wie ein finsteres Gespenst auf allen Schritten und Tritten nach; bei Tag und Nacht, in jeder Lection, die ich ertheile, schreckt es mich auf. Wenn ich einer Schülerin eine Feder schneide (ich wiederhole immer und immer: Seitdem man Stahlfedern Hai, ist jede schöne Schrift zu Grabe getragen worden und unser Jahrhundert kann darum füglich ein eisernes genannt werden), muß ich immer daran denken: Wie sieht jetztRosa Ehrenfeld's Schrift aus? Wenn ich dann einer andern Schülerin den schwersten Kettensatz (welcher eigentlich nur als eine Ausgeburt der mit Recht als goldene Regel sonst auch Regel de tri von den Italienern benannten Rechnung betrachtet werden kann) erkläre, so geht es mir wie ein Stich durchs Herz, daß Rosa Ehrenfeld in diesem Augenblicke vielleicht zusieht, wie man einen Sack Erdäpfel aufladet, und nicht mehr weiß, wie man den Ansatz zu einer einfachen Interessen- oder Gesellschastsrcchnung, selbst ohne Brüche, macht. Und besonders wenn ich an die schwierige Participialconstruction gelange, die von jeher als mein Steckenpferd (ich gestehe dieses offen, weil sie es wirklich verdient) von mir gepflegt wurde, dann erst möchte ich blutige Thränen weinen, daß Rosa Ehrenfeld vielleicht (wie würde ich der Göttin Hoffnung danken, wenn dem nicht so wäre) an ein Butterfaß angeschmiedet ist, während meine dreizehnjährige Schülerin SidoniaWinterberg die schönsten Participialconstructionen macht und auflöst. Von der sranzölischen Grammaire