Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 428)
- Language
- German
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Riß durch die so unbarmherzig angegriffene Seele Rosels geschehen. Wer kann sagen, wie ein scharfes Wort zur Unrechten Zeit gesprochen, in das Gemüth eine Wunde schneidet, wovon es nie genesen kann. Beide, Rosel und Joffes, .standen jetzt erst an einem Wendepunkte ihres Lebens; er hatte Worte gesprochen, die im Grunde selbst eine weniger stolze Seele hart berühren mußten; dagegen bedurfte es nur eines geringen Anstoßes, nur eines willfährigen Aachgebens dieser Erregtheit von Seiten Rosels — und ein Bund war zerrissen, der unter so eigenthümlicher Entwicklung entstanden, zwischen diesen zwei Herzen trat der lebendige Tod ein! Zn der That hatte es auch den Anschein, als ob Mosel dem Gefühle gekränkter Mädchenhaftigkeit, dem, was an das Beste ihres Lebens so mitleidslos griff, nämlich an ihre Wandlung, nachgeben wollte. Sie rang sichtlich nach einem Entschlüsse; laut schluchzend hatte sie sich abgcwendet, indem sie dabei ihre Hand, die Jossef gefaßt hatte, losriß. Das dauerte eine lange, fürchterliche Weile. Tiefathmend stand indeß Jossef da. Da drehte sich mit einem Male Mosel zu ihm um, und halb lachend, halb weinend rief sie: »Jossef, ich bin Rosel und nichtsAnderes alsRosei. — Glaub' mir aufs Wort! Ich habe Dich ja auch nur als Jossef erkannt!« »Rosel! goldene Rosel!« jauchzte er auf, und federleicht hob er das Mädchen zu sich auf, zwischen Himmel und Erde! Der böse Augenblick, um den lichte und schwarze Engel gekämpft, war ohne Berheemng vorübcrgezogen! — Jetzt mahnte Rosel zum Aufbruch, die Mutter wüßte nicht, wohin sie gegangen, und würde wahrscheinlich in Sorgen sein. So gingen sie wieder zu dem Stege, an dem die Rosse, ohne ein Zeichen von Ungeduld, warteten. »Jetzt fährst Du mit mir nach Hause!« rief er überlustig.