Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 427)
- Language
- German
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388 täglich in all deiner Lieblichkeit uno Feinheit vor sich zu sehen, mit Dir durch Feld und Wiese zu gehen, neben Dir zu fitzen, Dir hier und da zu erklären, was bas für ein Baum, wie der Vogel heiße, der dort fliegt —« »Du warst ein guter Lehrer, Joffes,« unterbrach ihn Rosel. »Und sich dabei doch fragen müssen, täglich und stündlich: Wird das eine rechte Bäuerin? Verstellt sie sich nicht? Ist es ihr wirklich Ernst damit? Sieh, Rosel, das war ja mein Leiden von der ersten Minute an, das hätte mich zuletzt noch dazu getrieben, wieder Soldat zu werden. Zch habe nicht gewußt, ist's Dir Ernst oder bloßer Spaß mit Allem; spottest Du uns im Stillen so nur aus, und machstDich lustig über uns oder — bist Du wirklich das Prinzeffele nicht mehr, als welches Du zu uns gekommen bist —■« Rosels Augen füllten sich mit Thränen. »Geh', Jossef,« sagte sie, und es klang fast wie unterdrückter Zorn hindurch, »so wie ich gegen Dich — von der ersten Minute an warst Du doch nicht gegen mich. Wie hätte Dir in den Sinn kommen dürfen, daß ich aus Falschheit und Lüge zusammengesetzt bin?« »Laß Dich von dem nicht beleidigt sein,« bat Jossef, »daß ich so rede. Deswegen hat uns ja Gott zusammengeführt, daß wir offen mit einander sprechen. Dich selbst habe ich nicht für falsch gehalten, aber oft habe ich mir gedacht: Sie hat so viel gelernt und gelesen, sollte sie cs nicht aus Büchern und Schriften gelernt haben, wie man sich in einem fremden Hause und unter fremden Leuten betragen soll? Ich kann mich nicht so gut ausdrücken wie ein Buch — aber das war mein Gedanke immer und immer, ob Du als Rosel, und als keineAndere wieRosel, Alles thust, oder— als die Rosel, die im kleinen Finger mehr kann, als wir Alle, kurzum als — die Prinzessin!« In diesem Augenblicke mochte ein tiefer, vielleicht unheilbarer