Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 375 (sequence 414)
- Language
- German
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375 hier gelegentlich erwähnen, daß Jossef nie anders als »per Fräulein« Rosa Ehrenfeld ansprach. »Warum nicht?« fragte Joffes so von obenhin. »Im Stall hat die schwarze Kuh mit dem weißen Stern vorn auf der Stirne die ganze Nacht so geschrieen, daß ich kein Auge schließen konnte. Ist sie denn krank?« »Nein,« sagte Joffes, »aber am Freitag war ein Fleischhauer im Stall und hat sich ihrKalb angesehen. Das mag ihr denn jetzt nicht aus dem Kopf herausgehcn, und sie fürchtet sich vielleicht, man könnte es ihr wegnehmen. Sie ist seitdem auch wirklich unruhig.« »Meinen Sie wirklich, darum?« »So ein Thier,« sagte Jossef, »hat seinen Kummer wie ein Mensch, zum Unterschied. Nur hat es dafür einen einzigenTon, während die Menschen auf verschiedene Art, das was sie drückt, aussprechen können. Ganz gewiß weiß die Kuh, daß der Fleischhauer zum zweiten Male kommen wird, dann wird er das Junge an den Strick nehmen, und unter dem Gebelle seines Hundes wird er es von der Mutter fortführen. D'rum ist sie so traurig.« »Ich danke Ihnen, Jossef,« sagte nach einer kurzen Weile das Mädchen. »Wofür?« meinte Jossef und blickte erstaunt nach demFenster hin. »Daß Sie mich etwas so Schönes gelehrt haben,« meinteRosel rasch. »Ich bin kein Lehrer,« sagte der einstige Soldat fast rauh. »Nämlich, daß die Thiere es auch wissen, wenn ihnen ein Leid zugefügt wird. Was soll erst ein Mensch, zum Beispiel eine Mutter dazu sagen, wenn ihr ein Kind geraubt wird?« »Wer raubt denn einer Mutter ihr Kind?« »Das Kind kann ja auch von selbst sortgehen, gegen denWillen der Mutter,« meinte Mosel scharf betont.