Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 410)
- Language
- German
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371 bewußte hätte in diesem Augenblicke keinen einzigen Beweisgrund vorzubringen gewußt, der es siegreich mit ihres Mannes Rede hätte aufnehmen können. Einerseits fühlte sie sich gehoben von dem Stolze, den der Bauer in seine Stellung als solche setzte, anderseits that ihr selbst die sernliegende Möglichkeit, daß er in seiner Hoffnung Recht haben könnte, unendlich wohl. »Es wär' zu schön! zu schön!« sprach sie freudig. »Wenn ich Rosel hier behalten könnte und Joffes nicht unter die Soldaten müßte.« »Der geht Dir unter die Soldaten so wenig, wie es mir einsallen könnte, noch ein Feldwebel zu werden,« meinte Rebb Feiwel. »Du kennst ihn nicht, welchen Kops er auf hat!« eiferte die Bäuerin, und fügte dann, weil sie fürchten mochte, dem Sohne zu nahe getreten zu sein, noch eiligst hinzu: »Und weißt Du denn, ob es Beider Wille ist, sich einander anzugehören? Vielleicht will Keines von Beiden!« »Einen Blinden muß man führen, und einem Lahmen einen Stecken in die Hand geben,« sagte der Bauer lustig. »Meinst Du denn, ich bin blind und lahm, daß ich nicht sehe und begreife, was zwischen den Beiden vorgeht? Da wette ich meinen Kopf darum, daß das Züngel von dem Prinzesscle ganz anders denkt, als Du Dir einredest. Du warst nicht dabei, wenn Rosel zuweilen aufs Feld hinausgekvmmen ist; Du hast die Beiden nicht angesehen, wie sie mit einander geredet haben- Ich aber habe die Augen weit offen gehabt, und mir ist nichts entgangen. Ich sage Dir, Eitel, sie werden ein Wort mit sich reden lassen.« Damit war der Bauer wieder auf den Boden seiner gewöhnlichen Stimmung niedergestiegen. Trotz allerBitten Gitels, er möge doch erzählen was er gesehen, blieb er standhaft dabei, er dürfe nichts verrathen. Im Grunde jedoch übermannte ihn der Schlaf. 24 *