Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 362 (sequence 401)
- Language
- German
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362 deren Wesen so mächtig in die Ruhe dieses Hauses gegriffen, Rosel selbst, über den Weg daher. Gitcl hatte sie zu dem kranken Kinde einer Bäuerin mit einem Stücke Sabbathbrot geschickt, um es zu erlaben. Als sie ihrer ansichtig ward, ging es tiefschmerzlich durch ihre Seele; denn als Frau von kräftigem Willen, wie wir sie bereits kennen gelernt haben, wollte sie Rosel sogleich ihren Entschluß kund thun. Der Augenblick dazu war gekommen. »Rosel Leben!« rief sie ihr entgegen, da sie noch einige Schritte von ihr entfernt war, »was hat denn das Kind dazu gesagt?« »Es hat sich ordentlich daran erquickt,« meinte Rosel und war in einem Satze bei der Bäuerin angelangt. »Sie haben geweint, Eitel Leben,« rief sie sogleich erschrocken. »Was ist vorgefallen?« »Was liegt Dir d'ran, mein Kind,« sagte die Bäuerin, indem sie sich die Thränen trocknete, »ob Du es weißt oder nicht. In jedem Hause kommt etwas vor, worüber eine Mutter sich kränken muß; der deinigen wird es nicht besser ergehen. Reden wir lieber von etwas Anderem. Wann schreibst Du wieder einen Brief an deine Mutter?« »Eigentlich erwarte ich einen von ihr,« entgegnete Rosel. »Schreib'Du ihr zuerst,« rief Eitel mit einer gewissen Hastigkeit. »Auf einen Brief der Mutter muß ein Kind zwei und drei schreiben.« »Ich versteh' Sie nicht, Eitel Leben,« meinte Rosel kopfschüttelnd; »erst weinen Sie, dann heißen Sie mich, ich soll an meine Mutter schreiben. Sind Sie vielleicht nicht mit mir zufrieden?« »Rosel, um Gottes willen,« rief die Bäuerin mit neuen Thränen in den Augen, »mach' mir das Herz nicht beschwerter, als